Ursprünglich hatte ich vor, in drei Tagen von Scuol nach St. Moritz zu fahren. Doch am Dienstag machte das Wetter nicht mit, und so entschloss ich mich erst am Mittwoch von Tschierv nach Livigno zu starten. Die Etappe Scuol - Tschierv hol ich irgendwann noch nach. Ich kann bereits zum voraus sagen, das dies einer der besten, vielleicht sogar der beste Biketag meines Lebens war.

Organisiert war der ganze Trip von www.swisstrails.ch. Dort kann man entscheiden, wann und wo man starten bzw. den Tag beenden möchte. Es gibt eine günstigere (Variante Budget) und eine teuerere (Variante Hotel) Möglichkeit zum buchen. Die Unterkünfte werden dann von dem obengenannten Reisebüro gebucht und das Gepäck ebenfalls von der einten zur nächsten Unterkunft transportiert. So hat man die Möglichkeit, eine mehrtägige Biketour zu machen, und muss für unterwegs nur das mitnehmen, was man halt wirklich zum biken braucht. Der ganze grosse Rest steht dann am Abend in der Reception bereit. Und den Leuten von Swisstrails bereits mal ein Kompliment - Die Unterkünfte waren spitze und das Gepäck war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Kann ich jedem Biker empfehlen.

So und jetzt zur Tour. Ich startete bereits um 8.40 Uhr in Tschierv. Wollte genug Zeit haben, denn diese Strecke ist laut Reiseführer (den gibts gratis zur Reise dazu) eine der schönsten des Kantons Graubünden. Na dann mal los. Zuerst gehts leicht bergab nach Fuldera.

      Immer schön den gelben Alpine Bike #1 Wegweisern nach.

 

Dann folgt ein 700 Hm Aufstieg nach Doss Rodand. Eine sehr schön zu fahrenden Schotterpiste führt ständig gleich steil bergauf. Die Landschaft ist hier schon wunderschön. Herrlich die Bäume und daneben die kargen steilen Felswände

 

Auf der Passhöhe Doss Rodand treffe ich auf eine 16 köpfige deutsche Transalpgruppe, welche in mehreren Tagen zum Comersee fährt. Ich komme im weiteren Verlauf der Strecke ständig mit ihnen ins Gespräch.

      Doss Rodand, 2234m

      obligates Gipfelfoto

 

Als nächstes öffnet sich mir und der Transalpgruppe das herrliche Val Mora, einer der schönsten Flecken Erde, den ich je gesehen habe.

 

Die Kiesstrasse schlengelt sich gemütlich durch dieses paradiesische Hochtal. Ich bin, sowie auch die Transalpgruppe, total begeistert und zusammen kommen wir aus dem schwärmen kaum raus. Die Strasse wird nun ein breiterer Karrweg und später ein Trail.

 

Und dieser folgende Trail ist einer dieser Trails, den man als Biker ständig sucht und hofft ihn irgendwann mal anzutreffen. Ein Trail der eigentlich nie aufhören dürfte, weil er einfach zu schön ist. Und genau so einen traf ich an. Ich lasse mal die Bilder sprechen.

      Deutscher Tatzelwurm

      Gruppenführerin der Transalpbiker

 

Leider sind auch die geilsten Trails mal zu Ende und so kam ich in eine karge, ja schon fast bizarre Gegend und der Bikeweg führte durch ein Geröllfeld. Hatte auch seinen Reiz, sowas fährt man ja auch nicht alle Tage.

      Lago di S. Giacomo de Fraele

 

Nach dem ebenso kargem See folgte der 320 Hm Aufstieg zum Passo Alpisella. Inzwischen habe ich die grüne Grenze überquert und befinde mich in Italien. Es wird wieder grüner und dieser Uphill erinnert mich ein wenig an den ersten, nur noch ein wenig steiler.

      sind das Schneefelder?

      Tatsächlich. Mein Bike schaut sich das ganze zuerst mal alleine an...

      Aber es führt nur dieser Weg nach Livigno - also los!

      kahle Felswände

      kaum ist das erste Schneefeld überstanden...

      ...folgt das zweite, aber auch das wird passiert.

 

Dann ist es nicht mehr weit zum Passo Alpisella. Natürlich auch hier das Gipfelfoto

      Passo Alpisella, 2268m

      Gleich unmittelbar unterhalb des Kulminationspunkts

 

Die Abfahrt runter zum Lago di Livigno war dann was vom feinsten des heutigen Tages. Ein breiter Trail lud zum sausen lassen ein :---)

 

Die Strasse, wohl eine alte Armeeroute, wurde dann breiter und sanfter, aber nicht minder schöner.

      Lago di Livigno - das Ziel naht.

 

Schon seit längerer Zeit knurrte mir der Magen und was sehen meine Augen gleich beim Ende der rasend schnellen Abfahrt? Ein gemütliches Restaurant. Sofort Radl parkieren, Speisekarte studieren und bestellen. Zum Glück konnte die freundliche Bedienung Englisch, sonst wäre ich wohl noch verhungert...

      Restaurant Alpisella - sieht sehr einladend und gemütlich aus, war es auch

      Lago di Livigno

      tolle Lösung 

 

Nach Bratwurst und Pommes (lecker), galt es noch die restlichen paar flachen Meter nach Livigno abzuspulen und somit war eine unglaublich geniale Biketour zu Ende. Doch ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es erst halb drei Nachmittags ist. Jetzt schon in die Unterkunft bei diesem schönen Wetter? Ah moment mal, ich hab doch mal was gelesen, von...

...einem Bikepark in Livigno. Das seh ich mir genauer an

Zuerst schau ich mir noch die mutigen Jungs an, welche über die Schanze fliegen und dann butterweich landen und löse dann ein Oneway Ticket rauf zum Mottolino. Oben auf  2349 such ich mir dann die Flow Line aus zum runter fahren. Die ersten paar Meter sehen vielversprechend aus. Bevor ich aber starte, lasse ich noch die eindrückliche Bergewelt auf mich wirken.

      Start zum Trail nr. 2 - Flow Line

      Die Sprünge kann man (zum Glück) alle umfahren

      Defintiv nichts für mich und mein Fully

      Ein bisschen Northshore - sehr schön angelegt

      Zielschuss

 

Und so suche und finde ich dann auch meine Unterkunft, das Hotel Pare in Livigno. Gepäck ist auch schon da (Danke swisstrails.ch!!) und dem einchecken steht nichts mehr im Wege. Eine super Unterkunft mit sehr freundlichem Personal und leckerem Essen. Und das Zimmer war auch super und gemütlich. So lässt es sich biken.

Einer der besten Biketage, vielleicht sogar der beste, meines Lebens geht zu Ende. Das war ein Ding - soviele geniale Landschaften, hammer Trails und viele nette Leute kennen gelernt. Da hat alles gepasst an diesem Traumtag. Freu mich schon auf morgen, wenns über den Chaschaunapass auf 2694m zurück in die Schweiz geht. Zuerst wird jetzt aber das vom Küchenchef extra zubereitete Bikermenu probiert.

Folgender Tag, Livigno - St. Moritz: http://chregu.veloblog.ch/post/94/1276 

GPS-Track: Tschierv - Livigno.gpx

Google Earth-Datei: Tschierv - Livigno.kmz