Tag zwei meiner Alpine Bike #1 Route von Mountainbikeland Schweiz. Heute gehts von Livigno zurück in die Schweiz ins Engadin nach St. Moritz. Das Haupthindernis heisst heute Chaschaunapass und liegt auf 2694 m. Das wird der höchste Punkt sein, den ich je mit einem Velo (Renner und Bike) erreichen werde. Im Reiseführer ist von 45 Minuten schieben die Rede. Na mal sehen, was da auf mich zu kommt...

Mit ein bisschen Wehmut verlasse ich das Hotel Paré und somit Livigno. Hier würde es sich mit dem Bike locker eine Woche oder länger aushalten, und zwar nicht nur wegen des genialen Parks. Da ich gestern nichts vom Dorf sah, ausser bei der Unterkunftssuche, fahre ich Livigno zum Abschluss komplett ab von oben bis unten.

      Blick von der Unterkunft, welche leicht oberhalb des Dorfkerns liegt.

      Livigno

      Livigno

 

Ich verlasse Livigno und biege ins Valle di Federia ein. Noch bin ich auf dem schönen und gemütlich zu fahrendem Weg noch alleine unterwegs.

      Valle di Federia

      Valle di Federia

 

Doch bei Pt. 2'061 ist fertig lustig und der Aufstieg beginnt. Mit dem Einstieg wird gleich mal das erste Ausrufezeichen gesetzt. Bereits nach rund 30 Metern muss ich schauen, dass ich noch rechtzeitig aus den Klickies komme, weil es schlicht zu steil wird zum fahren. Auf was lasse ich mich da ein? Noch warten schwierige 600 Hm auf mich... Einfach weiter sage ich mir. Und auf einmal gibts doch wieder längere fahrbare Abschnitte, welche sich dann wieder mit ebensolangen Schiebepassagen abwechseln. Doch auch die Steilheit hat ein Vorteil, so gewinne ich "relativ schnell" an Höhenmeter.

      Die ersten Meter des Aufstieges - steiler als es aussieht...

 

Der Kiesweg ist steil und immer wieder muss ich absteigen. Doch der Zustand dessen ist sehr gut und schiebend komme ich ganz ordentlich vorwärts. Bei ca. 2400 m komme ich mit zwei netten Italiänern ins Gespräch, welchen ich gestern schon im Val Mora begegnet bin. Sie bewältigen den Weg fast ausschliesslich schiebend. Das lässt mein Ehrgeiz dann doch nicht zu und versuche soviel wie möglich zu fahren.

Zwischendurch halte ich immer wieder an, um den Puls ein bisschen runter kommen zu lassen. Denn so hoch oben habe ich noch nie Sport getrieben, die Luft wird dünner - auch das eine neue Erfahrung. Nur nicht überdrehen, sag ich mir. Die Aussicht geniessen ist dann immer eine willkommene Möglichkeit, schnell ein paar Sekunden stehen zu bleiben

      Blick zurück nach Livigno

      Blick nach Westen ins Valle di Federia

 

Und weiter gehts, die Hälfte habe ich schon. Der Aufstieg und die damit verbundene Herausforderung fangen mir an zu gefallen. Die Höhenmeter schwinden, das Ziel ist noch nicht sicht- aber absehbar.

      Auf ca. 2520 m. Bäume oder sonstige Pflanzen - Fehlanzeige

      Die beiden Italiener habe ich hinter mir gelassen.

      Ein Bergrestaurant in Sicht. Wusste ich gar nicht...

      ...kommt mir aber sehr gelegen, da das Frühstück mittlerweile verbrannt ist und mein Magen schon wieder knurrt.

Es ist dies die Rifugo Cassana auf 2601 m. Und es hat auch andere Biker und Wanderer hier. Sofort wird der Aufstieg beprochen und ein Paar spricht mich an, ob ich den extra noch die letzten paar Meter gefahren bin. Ich bejahe diese Frage, weil ich noch einen guten Eindruck erwecken wollte. Weiter wird gefachsimpelt, wer wieviel gefahren ist. Einige nehmen Karten hervor und studieren die Route. Eine lockere und aufgestellte Stimmung auf 2601 m. Das habe ich so doch nicht erwartet. Tolle Sache.

Als ich meine Suppe bekomme, gesellt sich ein Paar zu mir, welches in Livigno in der gleichen Unterkunft genächtigt haben wie ich. Sie setzten sich an meinen Tisch und auch hier wird sofort der ganze Aufstieg durch diskutiert. Wie um alles in der Welt können die Cracks nach etwa 100 km und 3'000 Hm (grob geschätzt) beim Nationalpark-Bikemarathon noch hier rauffahren? Es ist uns ein Rätsel... Wir geniessen die Aussicht und später stellt sich heraus, dass die beiden ebenfalls aus dem Kanton Luzern kommen.

Nach einer Nusstorte und einem Cappucino verabschiede ich mich und mache mich an die letzten 93 Hm ran. Der erste Eindruck sagt mir, dass da an fahren nicht viel zu denken ist. Spielt ja auch keine Rolle mehr, so kurz vor dem Ziel

      Beginn des Schlussaufstieges

      Karge Bergwelt

      Rifugo Cassana

      Die letzen paar Meter mit Blick auf die Passhöhe sind dann noch fahrbar und werden zu einer persönlichen Triumphfahrt!

 

Oben dann auf 2694m geniesse ich dann den Moment des Erfolges alleine, aber nicht lange denn schon bald höre ich erste Juchzer. Die beiden Luzerner von vorher haben es auch gleich geschafft. Wir gratulieren einander und die Dame bietet mir sogar an, mich für ein ultimatives Gipfelfoto zu fotografieren. Da stell ich mich doch gerne zum Wegweiser hin.

      Gipfelfoto auf dem Chaschaunapass, 2694m

 

Nachdem wir noch ein bisschen oben verweilen, schauen wir uns schon mal den Einstieg des Downhills an und sind gespannt, was uns da erwartet. Ein wenig später fahren wir dann los.

      Die ersten Meter sind perfekt fahrbar

      Der Trail wird kniffliger

      an der Grenze des fahrbaren

      bis es dann nicht mehr geht.

      Ausgewaschene Teilstücke in der Mitte erschweren zusätzlich

      Doch mit Vorfreude schauen wir in die Talfläche - das sieht vielversprechend aus dort unten...:-)

      Gleich sind wir unten

 

Nach dem die letzte Serpentine geschafft ist hat der K(r)ampf ein Ende und wir schauen grinsend auf den Trail, welcher durchs Val Chaschauna führt. Wir gucken uns gegenseitig an, nicken und lassen einfach mal laufen!!!!

      Holy Trail!!!

      Da sind wir runter gekommen? Aus dieser Optik unvorstellbar. Egal - weiter geht das Trailvergnügen!

      Luzerner Bikeconnection am Trailsurfen

 

Zwischendurch erreicht dieses Sahnehäubchen von einem Trail die perfekte Neigung. Kein Bremsen und kein Pedalen sind nötig. Einfach auf dem Sattel sitzen und laufen lassen. GREAT!

Wie am Vortag im Val Mora gehen auch die besten Trails mal zu Ende und bei der Alp Chaschauna machen wir eine kurze Bidonauffüllpause und müssen zuerst einmal unsere Eindrücke verarbeiten. Das war wirklich unglaublich und hätte gerne ein bisschen länger dauern dürfen. Für mich am liebsten gleich bis zur Jugi in St. Moritz. Aber die Berge sind ja kein Wunschkonzert und so gehts auf einer Piste runter. Diese ist aber nicht minder interessant und lädt ein wenig zum rasen ein. Die Bachrinnen verleiten zu Bunnyhops. Auch hier haben wir unseren grössten Spass!

 

Oberhalb S-chanf am Ende der schnellen Piste ist ein sehr schönes Restaurant, bei welchem ich kurz auf einen Kaffee einkehre. Die beiden Luzerner Biker verabschieden sich von hier. Ihr Ziel ist Cinous-chel. Wir hatten einen Heidenspass die letzten 1000 Höhenmeter Downhill. Falls ihr anhand von meinen Angaben diesen Bericht findet, bitte bei mir melden. Ihr habt ja glaub auch das einte oder andere Bild von mir geschossen. Und ich würd Euch dann meine Pic's zukommen lassen. Unten bei den Kommentaren wäre der ideale Platz dazu! Sorry Marcel nochmals wegen der Pfütze :---)

So zog ich wieder alleine weiter. Es warteten noch gute 20 km flussaufwärts bis zur Jugendherberge St. Moritz. Der Bikeweg führte mich durch...

      ...das schmucke Dorf S-chanf...

      ...und vorbei an Zuoz.

 

Der Weg war zuerst alles asphaltiert. Ich befürchtete schon das schlimmste und stellte mich auf 20km geteertem Radweg ein. Doch das war umsonst, denn das Strässchen wurde schöner und schöner.

      Flussaufwärts dem Inn entlang...

      ...vorbei an Kuhherden...

      ...idyllischen Seen...

      ...und farbigen Flussufern.

      Celerina

 

So gings nun langsam Richtung Schlussaufstieg Stazerwald. Der Weg führte wunderschön durch Nadelwälder bis rauf zum paradiesisch schönem See. Hier hat man das Gefühl, die Zeit sei still geblieben und man befinde sich in einer anderen Welt. Ein perfekter Ort um kurz vor dem Tourziel die Eindrücke der letzten zwei Tage Revue passieren zu lassen.

      Ein würdiges Finale zweier grandiosen Biketage - der Stazersee oberhalb St. Moritz.

 

So gehts nun zur kurzen Schlussabfahrt nach St. Moritz Bad weiter zum Bahnhof St. Moritz. Hier endet eine zweitägige Biketour, welche ich wohl nie vergessen werde. Da ich mit einer etwas späteren Ankunft rechnete als gestern, habe ich mir kurzfristig in der Jugendherberge St. Moritz ein Zimmer gebucht und werde erst einen Tag später die Heimreise antreten.

      Schlussabfahrt in wunderschöner Natur.

      St. Moritzersee

      Luxusbauten in St. Moritz

 

Beim Bahnhof St. Moritz kann ich dann auch gleich ohne zu warten mein Gepäck abholen, dass erneut von swisstrails.ch bestens und unversehrt transportiert wurde. So marschiere ich mit Gepäck und Bike zurück zur Jugi, checke ein und geniesse für nur 56 Franken Halbpension ein äussert leckeres 4-Gang Menü. Auch das Frühstückbuffet ist grosse Klasse. Eine sehr schöne Jugendherberge mit einem tollen Preis/Leistungsverhältnis.

In naher Zukunft würde ich gerne die Alpin Bike Route von Mountainbikeland Schweiz weiterfahren. Die ursprünglich geplante 1. Etappe von Scuol nach Tschierv muss ebenfalls sehr schön sein. Konnte mir auf dieser Reise einige positivie Meinungen einholen. Und von St. Moritz würde es ja dann über den Septimberpass weitergehen.

Danke nochmals www.swisstrails.ch für den Gepäcktransport und die Buchungen der durchwegs tollen Unterkünfte. Auf Euch komme ich bestimmt mal wieder zurück. Und danke auch dem Bikerpaar aus Luzern fürs mitfahren. Bitte meldet Euch.

Vortag, Tschierv - Livigno: http://chregu.veloblog.ch/post/94/1275 

GPS-Track: Livigno - St. Moritz.gpx

Google Earth-Datei Livigno - St. Moritz.kml