Laut der Ausgabe 02/2009 des Mountainbike Heftes "Ride" gibt es von der Melchsee Frutt über den Hasliberg bis nach Giswil einen endlos langen Singletrail. Der ist 19 km lang und wird in diesem Magazin hochgepriesen. Das Ganze schauten sich Geri, Silvan und ich letzten Sonntag mal zusammen an.Wir parkierten unser Auto beim Bahnhof Sarnen und fuhren mit dem Postauto bis zur Stöckalp. Dort überlegten wir uns kurz, ob wir mit der Gondel rauf zur Frutt fahren wollen, oder doch gleich mal zum Warm-Up mit dem Bike selber hochradeln. Da uns 17 Franken zu teuer erschienen, entschieden wir uns für die zweite Variante.

 

Der Aufstieg ist zwar etwas steil, aber doch ganz angenehm zu fahren und nach knapp eineinhalb Stunden waren wir oben. Die ersten 900 Höhenmeter waren vernichtet, ohne dass wir es gross merkten. Für Silvan war es der erste solch lange Aufstieg, welchen er problemlos meisterte. Im Restaurant Distelboden assen wir z' Mittag und studierten auf der Karte den Verlauf der Route. Wir waren alle drei sehr gespannt auf diesen laut "Ride" längsten Singletrail der Schweiz. Vorallem am Anfang soll es unfahrbare Stellen geben. Mal sehen...

Der Weg führt zuerst auf Piste dem Tannensee entlang bevor er dann rechts abbiegt. Immer noch auf Kiesstrasse gehts sehr steil nach oben. Dieser Aufstieg ist gerade noch so fahrbar.

      Tannensee

      Geri

      Geri on the horizon

      Silvan

      ich

 

Auf Gumm wird der Weg dann endlich zum Trail und verläuft sehr spektakulär auf einem Grat über die Erzegg zum Balmeregghorn. 

      Geri auf dem spektakulären Grattrail

 

Auf dem Balmeregghorn zweigt der Track rechts in ein Geröllloch runter. Es gäbe aber noch einen Weg links dem Grat entlang. Da wir aber nicht wissen, ob und wie der fahrbar ist, entscheiden wir uns für die vorgegebene Route. Die Abfahrt ist sehr knifflig und immer wieder müssen wir für ein paar Meter absteigen. Unten erwartet uns dann eine karge Landschaft inkl. Schneefeld und ein kaum begehbarer "Weg" zurück zum Trail

      An ein fahren ist nicht mehr zu denken

 

Nach einem Trage- und Schiebekrampf bleibt der Trail steil und kaum fahrbar. Irgendwann wirds schon wieder gehen - es muss einfach, sagen wir uns. Und kurz vor dem Alpentower wird der Trail dann ein richtiges Schmankerl.

      Vor dem Alpentower

      Viel Flow - Herrlich

      Silvan geniesst den tollen Trail

      Blick vom Alpentower richtung Balmeregghorn

 

Eigentlich wäre es nicht nötig gewesen, ganz zum Tower rauf zu fahren. Doch Geri ist schon fast oben und Silvan pusht uns beide dann auch noch rauf. Bei der Bergstation machen wir dann eine kurze Nussgipfel/Sandwichpause. Dann folgte ein richtig cooler Trail, bis auf ein paar Meter alles fahrbar und bis kurz vor Häägen gehts nur runter.

      Silvan am Trailsurfen

  

      Wie am Gigathlon - Geri und sein Bike sind nicht zu stoppen

 

In Häggen hat das Vergnügen für kurze Zeit ein Ende und wir müssen wieder ein kleines, steiles Stück schieben. Doch schon ein paar Minuten später wird der Trail wieder fahrbarer. Es geht nun flacher und am Anfang mehrheitlich bergauf, doch schieben müssen wir so gut wie nichts mehr. Und der letzte Teil vor der Käserstatt wird dann wieder richtig toll!

 

 

Auch nach der Käserstatt geht das Trailvergnügen weiter. Der Weg steigt nun aber kontinuierlich an, ist aber fast durchgehend zu fahren. Schon weit voraus können wir den Verlauf bestens erkennen.

      Brienzersee im Hintergrund

Wir geniessen diese kilometerlangen, endlosen Singletrails. Genau das macht Mountainbiken so schön. Doch langsam spüren wir alle drei, wie die Kräfte nachlassen. Denn so lange Trails fahren kostet auch Kraft und bei solch teils alpinem Gelände ist höchste Konzentration angegsagt. Auch das nagt an den Reserven. Aber richtig spüren werden wir diesen Ritt wohl erst am Abend. Weiter gehts!

      Meiringen

 

Auf dem Gibel, einem herrlichen Aussichtspunkt machen wir die nächste und auch letzte nenneswerte Pause. Die Wolken verdichten sich langsam. Es tröpfelte schon ein paar mal, vor richtigem Regen wurden wir bisher aber verschont. Wir geniessen noch ein bisschen die Aussicht und das tolle Panorama und machen uns dann wieder auf den Weg

      Gibelaussichtspunkt

 

Wir fahren unterhalb des Gibels die Bergalp runter und treffen auf diesem Abschnitt an ein paar andere Biker. Da waren wir wohl nicht die einzigen, die das "Ride" gelesen haben...

Der GPS-Track führt übers Horn nach Sunnentag. Da wir aber alle ein wenig erschöpft sind, entschliessen wir uns den Schotterweg nach Lungern zu nehmen. Leider geht der aber gleich wieder bergauf und wir weichen auf einen kaum fahrbaren, matschigen, Kuhdreckwanderweg aus. Ein Fehler, denn wie ich zu Hause auf der Karte feststellen konnte (hätte ich das doch bloss dort auch gemacht :-( ), hätte uns die Schotterstrasse direkt nach Lungern geführt. Stattdessen quälten wir uns diesem "Trail" entlang nach Hüttstett. Wir sahen anschliessend aus wie direkt vom Stall, von unseren Bikes gar nicht zu reden.

Beim Brunnen reinigten wir die schmutzigsten Passagen und machten uns an 900 Höhenmeter Teerabfahrt. Dort wich dann die vorher eingeschlichene schlechte Laune wieder der Freude. Obwohl es beim biken ja immer heisst: "Genug Trails - das gibts nicht", heute hatten wir genug davon.

In Höchstgeschwindigkeit und innerorts sogar ein wenig schneller als erlaubt :-), rauschten wir dann das Teilstück von Lungern nach Giswil runter. Anschliessend dann noch der letzte Teil dem See entlang und wir waren wieder in Sarnen.

Eine tolle Tour und bei etwas besserem Wetter mit schier unglaublichen Panoramen. Auch speziell ist: Start in der Zentralschweiz, dann auf einmal sieht man nach Meiringen ins Berner Oberland und auf den Brienzersee und zu guter letzt ein toller Ausblick auf den Lungerersee und man wähnt sich wieder in der Zentralschweiz. Die Trails am Anfang sind happig und grösstenteils nicht fahrbar, was unser Niveau betrifft. Nur ein Teil des Grattrails auf der Erzegg und der letzte Teil vor dem Alpentower konnten wir fahren. Doch von dort weg gehts fast durchgehend. Gute Kondition und eine gewisse Sicherheit auf dem Bike sind aber Pflicht auf dieser Tour, vorallem wenn man wie wir von der Stöckalp startet.

GPS-Track: Frutt-Hasliberg.gpx

Google Earth Datei: Frutt - Hasliberg.kmz

Distanz: 55 km / Höhenmeter: 2000m / Fahrzeit: 4h 24min / AVS: 14.0 km/h