17 Juli, 2009 12:27
Singletrailorgie, Melchesee Frutt - Hasliberg, 12.07.2009
geschrieben von chregu, Kategorien [ Zentralschweiz ][ (10) Kommentare ] | [ (0) Trackbacks ]
Laut der Ausgabe 02/2009 des Mountainbike Heftes "Ride" gibt es von der Melchsee Frutt über den Hasliberg bis nach Giswil einen endlos langen Singletrail. Der ist 19 km lang und wird in diesem Magazin hochgepriesen. Das Ganze schauten sich Geri, Silvan und ich letzten Sonntag mal zusammen an.Wir parkierten unser Auto beim Bahnhof Sarnen und fuhren mit dem Postauto bis zur Stöckalp. Dort überlegten wir uns kurz, ob wir mit der Gondel rauf zur Frutt fahren wollen, oder doch gleich mal zum Warm-Up mit dem Bike selber hochradeln. Da uns 17 Franken zu teuer erschienen, entschieden wir uns für die zweite Variante.
Der Aufstieg ist zwar etwas steil, aber doch ganz angenehm zu fahren und nach knapp eineinhalb Stunden waren wir oben. Die ersten 900 Höhenmeter waren vernichtet, ohne dass wir es gross merkten. Für Silvan war es der erste solch lange Aufstieg, welchen er problemlos meisterte. Im Restaurant Distelboden assen wir z' Mittag und studierten auf der Karte den Verlauf der Route. Wir waren alle drei sehr gespannt auf diesen laut "Ride" längsten Singletrail der Schweiz. Vorallem am Anfang soll es unfahrbare Stellen geben. Mal sehen...
Der Weg führt zuerst auf Piste dem Tannensee entlang bevor er dann rechts abbiegt. Immer noch auf Kiesstrasse gehts sehr steil nach oben. Dieser Aufstieg ist gerade noch so fahrbar.
Auf Gumm wird der Weg dann endlich zum Trail und verläuft sehr spektakulär auf einem Grat über die Erzegg zum Balmeregghorn.
Geri auf dem spektakulären Grattrail
Auf dem Balmeregghorn zweigt der Track rechts in ein Geröllloch runter. Es gäbe aber noch einen Weg links dem Grat entlang. Da wir aber nicht wissen, ob und wie der fahrbar ist, entscheiden wir uns für die vorgegebene Route. Die Abfahrt ist sehr knifflig und immer wieder müssen wir für ein paar Meter absteigen. Unten erwartet uns dann eine karge Landschaft inkl. Schneefeld und ein kaum begehbarer "Weg" zurück zum Trail
An ein fahren ist nicht mehr zu denken
Nach einem Trage- und Schiebekrampf bleibt der Trail steil und kaum fahrbar. Irgendwann wirds schon wieder gehen - es muss einfach, sagen wir uns. Und kurz vor dem Alpentower wird der Trail dann ein richtiges Schmankerl.
Silvan geniesst den tollen Trail
Blick vom Alpentower richtung Balmeregghorn
Eigentlich wäre es nicht nötig gewesen, ganz zum Tower rauf zu fahren. Doch Geri ist schon fast oben und Silvan pusht uns beide dann auch noch rauf. Bei der Bergstation machen wir dann eine kurze Nussgipfel/Sandwichpause. Dann folgte ein richtig cooler Trail, bis auf ein paar Meter alles fahrbar und bis kurz vor Häägen gehts nur runter.
Wie am Gigathlon - Geri und sein Bike sind nicht zu stoppen
In Häggen hat das Vergnügen für kurze Zeit ein Ende und wir müssen wieder ein kleines, steiles Stück schieben. Doch schon ein paar Minuten später wird der Trail wieder fahrbarer. Es geht nun flacher und am Anfang mehrheitlich bergauf, doch schieben müssen wir so gut wie nichts mehr. Und der letzte Teil vor der Käserstatt wird dann wieder richtig toll!
Auch nach der Käserstatt geht das Trailvergnügen weiter. Der Weg steigt nun aber kontinuierlich an, ist aber fast durchgehend zu fahren. Schon weit voraus können wir den Verlauf bestens erkennen.
Wir geniessen diese kilometerlangen, endlosen Singletrails. Genau das macht Mountainbiken so schön. Doch langsam spüren wir alle drei, wie die Kräfte nachlassen. Denn so lange Trails fahren kostet auch Kraft und bei solch teils alpinem Gelände ist höchste Konzentration angegsagt. Auch das nagt an den Reserven. Aber richtig spüren werden wir diesen Ritt wohl erst am Abend. Weiter gehts!
Auf dem Gibel, einem herrlichen Aussichtspunkt machen wir die nächste und auch letzte nenneswerte Pause. Die Wolken verdichten sich langsam. Es tröpfelte schon ein paar mal, vor richtigem Regen wurden wir bisher aber verschont. Wir geniessen noch ein bisschen die Aussicht und das tolle Panorama und machen uns dann wieder auf den Weg
Wir fahren unterhalb des Gibels die Bergalp runter und treffen auf diesem Abschnitt an ein paar andere Biker. Da waren wir wohl nicht die einzigen, die das "Ride" gelesen haben...
Der GPS-Track führt übers Horn nach Sunnentag. Da wir aber alle ein wenig erschöpft sind, entschliessen wir uns den Schotterweg nach Lungern zu nehmen. Leider geht der aber gleich wieder bergauf und wir weichen auf einen kaum fahrbaren, matschigen, Kuhdreckwanderweg aus. Ein Fehler, denn wie ich zu Hause auf der Karte feststellen konnte (hätte ich das doch bloss dort auch gemacht :-( ), hätte uns die Schotterstrasse direkt nach Lungern geführt. Stattdessen quälten wir uns diesem "Trail" entlang nach Hüttstett. Wir sahen anschliessend aus wie direkt vom Stall, von unseren Bikes gar nicht zu reden.
Beim Brunnen reinigten wir die schmutzigsten Passagen und machten uns an 900 Höhenmeter Teerabfahrt. Dort wich dann die vorher eingeschlichene schlechte Laune wieder der Freude. Obwohl es beim biken ja immer heisst: "Genug Trails - das gibts nicht", heute hatten wir genug davon.
In Höchstgeschwindigkeit und innerorts sogar ein wenig schneller als erlaubt :-), rauschten wir dann das Teilstück von Lungern nach Giswil runter. Anschliessend dann noch der letzte Teil dem See entlang und wir waren wieder in Sarnen.
Eine tolle Tour und bei etwas besserem Wetter mit schier unglaublichen Panoramen. Auch speziell ist: Start in der Zentralschweiz, dann auf einmal sieht man nach Meiringen ins Berner Oberland und auf den Brienzersee und zu guter letzt ein toller Ausblick auf den Lungerersee und man wähnt sich wieder in der Zentralschweiz. Die Trails am Anfang sind happig und grösstenteils nicht fahrbar, was unser Niveau betrifft. Nur ein Teil des Grattrails auf der Erzegg und der letzte Teil vor dem Alpentower konnten wir fahren. Doch von dort weg gehts fast durchgehend. Gute Kondition und eine gewisse Sicherheit auf dem Bike sind aber Pflicht auf dieser Tour, vorallem wenn man wie wir von der Stöckalp startet.
GPS-Track: Frutt-Hasliberg.gpx
Google Earth Datei: Frutt - Hasliberg.kmz
Distanz: 55 km / Höhenmeter: 2000m / Fahrzeit: 4h 24min / AVS: 14.0 km/h







































17/07/2009, 20:43
Das klingt aber lecker! Von der technischen Herausforderung bis zum mega flow. Kommt in meine Liste "muss ich fahren".
Danke für den super Bericht!
17/07/2009, 20:53
Ein Teil dieser Tour habe ich auch schon mit dem Bike entdeckt...
18/07/2009, 10:07
Habe auch den Bericht in der Ride verschlungen und bin froh über diese Ergänzung. Danke.
18/07/2009, 11:29
Hallo Leute. Danke für Eure schönen Comments.
@rotscher: Das wäre sicher was für Dich, wenn schon der Chaschaunapass genau nach Deinem Geschmack ist... :-)
@Caroline: Welchen Teil bist Du denn schon gefahren? Deine Erfahrungen?
@Kerberos: Diese Route im dieser Ride-Ausgabe haben wohl schon einige gelesen. Traf letzte Woche in Livigno zwei Biker aus Brunnen an und sie sprachen auch von dieser Route.
Schönes Weekend. Morgen solls ja wieder trocken werden
Happy Trails, Chregu
20/07/2009, 19:36
hey chregu, super brecht ond hammer föteli :-)
20/07/2009, 23:36
Ja Geri danke schön. War happig aber geil mit Euch beiden.
Fortsetzung folgt. Der erste Schnee ist ja noch nicht gerade in Aussicht... :-)
Gruss: Captain #1553
22/07/2009, 22:58
Hallo Chregu
Ich möchte deine Route gerne nachfahren, jedoch kann ich die GPX Datei nicht öffnen. Kannst du mir helfen?
GLG Michu
23/07/2009, 06:11
Hi Michu,
Du musst mit der rechten Maustaste auf die Datei klicken und dann auf "Ziel speichern unter..." klicken.
Wieso dann eine XML-Datei kommt, weiss ich auch nicht. Vielleicht geht die ja auch fürs GPS-Gerät. Wenn nicht, kannst Du sie ganz einfach unter http://www.gpsies.com/upload.do?uploadMode=convert in eine GPX-Datei konvertieren.
Alles klar?
Viel Spass bei der Route. Würde mich über einen Bericht Deiner Erfahrungen freuen.
Gruss: Chregu
24/08/2009, 21:22
Hallo Chregu
Danke vielmals für deinen ausführlichen Bericht!! Ich habe mir überlegt die Route von der anderen Richtung aus zu starten, das heisst vom Hasliberg in die Frutt zu fahren, was denkst du ist schöner zu fahren? oder was würdest du empfehlen?
danke dir für eine kurze Antwort
Lieber Gruss
Dominik
24/08/2009, 23:11
Hallo Dominik. Danke für Dein Feedback.
Also gesamthaft gesehen wäre es wohl tatsächlich sinnvoller die Tour in die andere Richtung zu fahren. Du hättest wohl ein paar Trage-/Schiebepassagen weniger, als wir hatten. Ist jetzt aber halt auch schon eineinhalb Monate her und detailiert ist mir die Tour auch nicht mehr präsent.
So wie ich das noch beurteilen, würde das in Deiner Richtung etwa so aussehen.
Lungern - Hüttstett Teeraufstieg 950 Hm, dann bis Gibel einige Trage/Schiebepassagen (300 Hm). Dann alles fahrbar auf herrlichem Trail bis Häggen.
Dann Aufstieg zum Alpentower mit vielen Stufen. Wir hatten ein Gaudi bergab, bergauf könnte das mühsam werden. Teilweise wohl fahrbar, aber mehrheitlich sind die Stufen wohl zu steil. Hab ja auch ein paar Bilder davon. Aufstieg wären das dann rund 300 Hm.
Dann wohl fast alles fahrbarer Trail bis unterhalb Balmeregghorn. Der 120 Hm Aufstieg ist ziemlich sicher nur schiebend/tragend zu bewältigen.
Zum Abschluss der hammermässige Grattrail, den wir zu Beginn hatten. Beinhaltet einen steilen unfahrbaren Teil, sonst mehr oder weniger alles fahrbar. Und der Rest zur Frutt runter ist eh kein Problem.
Falls Du bis Stöckalp oder noch weiter (Kerns/Sarnen) durchziehst, würde ich Dir die alte Fruttstrasse oder alter Fruttweg empfehlen. Weiss die genaue Bezeichnung nicht mehr, irgendwie so. Haben den beim Aufstieg gesehen und waren uns einig, bei einer Abfahrt würden wir wohl hier runter fahren.
Nun, was ich empfehlen würde?: Ich würde wohl tatsächlich die andere Richtung fahren, also Deine. Der Aufstieg zum Alpentower könnte etwas knifflig werden aufgrund der Stufen, und der Steilheit. Der Weg aber ist in gutem Zustand und daher wäre auch schieben kein Problem. Der Trail vom Alpentower zur Erzegg und der anschliessende Grattrail würden wohl auch in Deiner Richtung mehr Spass machen, als so wie wir es gefahren sind.
Aber so oder so, diese Tour ist ein happiges Stück und war auch für uns Gigathleten eine rechte Herausforderung. Kilometerlanges Trailfahren ist zwar supergeil, aber auch anstrengend und konzetrationsfordernd.
Aber ich will natürlich nicht abschrecken. Falls Dich mein Bericht gepackt hat und Du Dich mit deinem Bike in den Bergen und auf den Trails wohl fühlst - UNBEDINGT AUSPROBIEREN!
Würde mich über einen allfälligen Bericht von Dir sehr freuen.
Lieber Gruss
Chregu