Zweiter Tag meiner Bikeferien im Wallis. Nach der gestrigen Traumtour auf die Moosalp war der Massstab für die heutige Tour schon mal recht hoch angelegt. Doch das sollte eigentlich zu toppen sein. Denn die heutige Strecke habe ich mir schon letztes Jahr auf meinem PC gespeichert. Heute war es endlich soweit. Von Brig wollte (mit Betonung auf "wollte") ich auf den Simplonpass fahren und dann über die Usseri Nanzlicke bis auf 2600m rauf. Also ein Aufstieg von rund 2000 Hm. Wäre neuer persönlicher Rekord gewesen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt....

Ich startete bereits um 8.15 Uhr in Brig, die Sonne leuchtete das Rhonetal noch nicht aus, die Temperaturen waren noch recht frisch. Doch weil das heutige Programm tagesfüllend ist, wollte ich zeitig losfahren.

      Die Sonne will noch nicht so recht

Von Brig fuhr ich den Stockalperweg hoch nach Lingwurm.

Via Brei - Bleike erreichte ich den Chräjubielwald, welchen ich auf einer Asphaltstrasse durchquerte.

 

Bei Schallberg gings dann ein wenig runter zu einer netten Schlucht, welche durch den Ganterbach durchquert wird.

Von der anderen Seite der Brücke gings dann nur noch aufwärts. Bei ca. 1190m machte ich den Fehler und folgte dem Track nach rechts. So musste ich einen unfahrbaren Wanderweg raufschieben. Besser wäre es der Schotterpiste nach links zu folgen, in welche dann der eben erwähnte Wanderweg sowieso wieder einmündet.

So gings anschliessend wieder auf Kies weiter bergauf bis zum Pt. 1248, wo die Strasse rechts über die Taferna geht richtung Nesseltal. Hier gabs aber keine Ausweichmöglichkeit mehr und ich folgte dem Stockalperweg der Tafernaschlucht rauf. Mehr oder weniger alles schiebend.

Stufen wechselten sich mit einigen wenigen fahrbaren Teilen ab. Die Schlucht hatte aber ob den vielen Brücken und dem Verlauf des Baches trotzdem ihren Reiz. Der Weg gefiel mir je länger je besser, trotz schieben des Bikes.

 

Beim Pt. 1531 war dann quasi die letzte Entscheidung fällig. Entweder links den Wanderweg rauf nach Rothwald und dann die letzen 300 Hm auf der gefährlichen Simplonpassstrasse fahren. Viel Verkehr und gefährliche Galerien wären da die Konsequenz gewesen. Oder gerade aus weiter ins öffnende Tal rein und die letzten 400 Hm grösstenteils schiebend den Stockalperweg folgend bis zum Simplon. Richtig verlockend tönte keine der beiden Varianten, ich entschied mich dann doch für die zweite. Der Verkehr durch die dunklen Galerien war mir schlicht zu riskant. So gings auf dem Trail weiter.

Fahrbare Teile wechselten sich ständig mit Schiebepassagen ab. Das Tal selber ist jedoch wunderschön.

Rund 300 Hm vor der Passhöhe war der Trail nur noch zu Fuss zu bewältigen. Immer noch besser als der laute Verkehr.

      Blick zur verkehrsreichen Simplonstrasse

Kurz vor dem Simplon wurde der Stockalperweg dann wieder fahrbar.

Oben dann natürlich das obligate Passfoto. Gipfelfoto wäre der falsche Ausdruck, denn es warten ja noch 600 Hm auf mich bis zur Usseren Nanzlicke.

Der Übergang auf der rechten Seite des Fotos muss wohl die Nanzlücke sein. Ich freute mich schon sehr auf diese alpine Gegend. Im Restaurant nahm ich das Mittagessen zu mir. Rund 30 Minuten später machte ich mich wieder auf den Weg.

Und dann begann das, was ich eigentlich so nicht geplant habe. Kaum vom Restaurant weg wurde ich von einem Militärposten aufgehalten, welcher mir klar machte, dass ich nicht über die Nanzlicke konnte, weil sie da mit scharfer Munition Schiessübungen machen. Das sei ein Risikogebiet. Ich traute meinen Ohren kaum. Jetzt mühe ich mich da den Stockalperweg rauf, fühle mich noch ganz gut, freue mich auf den Rest und werde dann zurück gewiesen. Das darf doch nich wahr sein.

Auch die Alternative über den Bistinenpass war gesperrt. Dies wurde mir bei einem zweiten Kontrollposten ebenfalls mitgeteilt.

Und jetzt? Den Stockalperweg wieder zurück? Dort wo ich vorher raufgeschoben habe, wäre es sicher lustig gewesen zum runterfahren. Aber meine Motivation war am Ende! Nach einem Dessert entschied ich mich für die nullachtfünfzehn Variante. Auf Asphalt die Passstrasse runter. So schnell wie möglich von diesem Pass und den Militaristen weg. Ich hatte keinen Bock mehr.

So brauste ich mit Geschwindigkeiten von bis zu 65 km/h Brig entgegen, was dann aber auch ganz lustig war und meine Laune wieder ein wenig steigerte. Der Rennvelofahrer schlummert halt auch noch in mir :-)

So war ich bereits um drei Uhr wieder zurück. Aber die Tour ist natürlich nicht gestorben. Werde ich irgendwann ganz sicher nachholen. Dann muss ich mich aber zuerst erkundigen, ob die Schweizer Armee nicht wieder die schöne Bergwelt verballern will.

Und ob ich mir den Aufstieg in dieser Form so nochmals antue steht auch noch in den Sternen. Diese Schieberei den Stockalperweg rauf ist auf Dauer nicht gerade das Gelbe vom Ei und die gefährliche Passstrasse kommt sowieso nicht in Frage. So drängt sich die Möglichkeit auf, von Brig gleich den Bus bis zum Simplonpass zu nehmen und auf die ersten 1400 Hm zu pfeifen. Dann hätte ich ein grösseres Zeitfenster und könnte die Tour noch über den Gibidumpass und/oder der Heida Suone entlang verlängern. Möglichkeiten und so auch zusätzliche Höhenmeter gäbe es dann noch genug.

GPS-Track: Simplonpass.gpx

Google Earth-Datei: Simplonpass.kml

Distanz: 48 km / Fahrzeit: 03:30:57 / Höhenmeter: ca. 1500m