Kurz nach der Belalp

Am letzten Dienstag war es endlich soweit. Die erste Mountainbiketour in den Bergen dieses Jahres war (endlich) fällig. Eigentlich war ich wieder auf Wetterflucht wie vor zwei Wochen im Tessin. Doch das Wetter war (vorallem am Vormittag) nicht so gut, wie laut Wetterbericht. Doch damit konnte ich leben, denn meine grösste Sorge war im Vorfeld der Schnee, welcher auf der Höhe von 2100m noch vorhanden sein könnte. Doch mir war das Glück des Tüchtigen hold und die Tour war komplett schneefrei.

Ich startete beim Bahnhof Brig und rollte zunächst gemütlich durch Naters. Am Dorfende begann dann der Ernst des Tages, sprich ein Aufstieg von 1'400 Hm. So fuhr ich alles auf Asphalt durch schmucke Walliser Dörfer.

      gleichmässiger Teeraufstieg, angenehm zu fahren

      Geimen

      Blatten, alter Dorfteil

Nach Blatten nahm der Verkehr deutlich ab und ich erreichte Egga, ein charmantes Bergdorf auf 1650m.

      Egga

Nun war fertig mit lustig und von den nächsten 500 Hm konnte ich gerade noch so geschätze 50 fahren.

      Der Start des Wanderweges war noch fahrbar

      Zum runterfahren wohl ein Traum

      bergauf aber nur schiebend zu bewältigen

      Doch das Ziel kommt näher und näher

Auch die blühende Fauna muss bildlich festgehalten werden.

      Enzian, das kennt jeder

      Hier muss ich passen. Wo sind die Botaniker unter Euch Bloglesern? 

      Und wer kennt dieses Pflänzchen?

      Der Wald lichtet sich

      schon bald oben, endlich!

So erreiche ich Lüsga auf 2124m. Zum ersten Mal in diesem Jahr knackte ich also die 2000m-Grenze. Von Schnee ist Gott sei Dank weit und breit keine Spur.

      Lüsga 2124m, mit tollem Blick nach Brig/Naters.

Endlich konnte ich wieder fahren und über einer Schotterpiste fuhr ich zur Belalp runter. Dort hatte gerade mal ein Restaurant geöffnet und dies auch nur so halbwegs, wie mir der freundliche Wirt sagte, als ich mit meinem Bike zufuhr. Trotzdem wurde ich sehr nett bedient und bekam eine riesen Portion Spaghetti Bolognese mit einem leckeren Salat voraus. Das war spitze!

Ich war mutterseelen allein im Restaurant und auch draussen traf ich nur Bauarbeiter und Angestellte der Bergbahnen an. Man bereitet sich offensichtlich auf die Sommersaison vor. Überall wird gebaut, geklempert und zurechtgerückt. Gerade mal ein Wanderpaar hat sich ausser mir noch auf den Berg verirrt. Mir solls recht sein, denn nach dem tollen Essen verzichtete ich auf ein Dessert und nahm dies so ein, wie es der Mountainbiker am liebsten mag. Nämlich in Form eines kilometerlangen Singletrails! Und vorweg schon mal: Auch das war spitze!!!

Der Reihe nach. Nach Bäll wird aus der Schotterpiste ein Trail, welcher leicht bergab geht zum Chelbach.

      Traileinstieg

      Blick zurück nach Bäll auf der Belalp

      Kurz vor dem Chelchbach

Nach der Überquerung stieg der Weg ein wenig an. Über die Bodmealp führte mich der Trail mit viel Flow richtung Nesselalp. Es war herrlich, dort durch zu biken. Und auch mit der weissen Pracht hatte ich Glück. Ich bewegte mich ständig auf der 2000er Grenze und kratzte somit stetig an der Schneegrenze.

Das Schmelzwasser, welches sich in Pfützen auf dem Trail widerspiegelte, war mein stetiger Begleiter. Auch musste ich immer wieder kleinere Bergbäche durchqueren.

Je länger ich auf diesem Traumtrail am surfen war, desto mehr wurde die Topographie hügeliger. Nach geschätzten 2 km verschwand das Hochplateau und der Weg schlängelte sich nun dem Hang entlang. Selbstverständlich nicht minder schön!

      Immer im Blickfeld - Der grosse Aletschgletscher

Kurz vor der Nesselalp wurde aus dem Weg noch einen waschechten Suonentrail. Sowie ich letzten Herbst im Wallis mit den Lötschberg Südrampentrails aufgehört habe, ging es nun wieder weiter. Ich wähnte mich im Bikehimmel, einfach nur herrlich!

      Nessjeri Suone vor der Nesselalp

Auf der Nesselalp fand ich per Zufall einen spektakulären Aussichtspunkt, welchen ich mir logischerweise genauer anschauen musste. Fehltritte nicht erwünscht!

Die Aussicht auf die Felsen und auf den Brigertalboden war atemberaubend!

      Nesselalp

Der Auftakt in diesen Trailschmaus war mit diesem Hochplateau-/Höhen-/Suonentrail sehr gelungen. Nun durfte der Downhill folgen. Satte 800 Hm Abfahrt standen mir nun bevor. Singletrailanteil = 100% - Kein Scherz! Na dann mal los... :-)

Der Track bot mir alles, was sich mein Bikerherz wünscht!

      Steile Suonenabschnitte

      Knackige Serpentinen (nicht so schön ersichtlich auf diesem Bild)

      Römerwegstyle

      knifflig und leicht verblockt

      schnell und breit

Immer wieder wurde ich zu kleinen Zwangspausen gezwungen, damit ich meine Muskeln und Handgelenke entlasten konnte. Nichts desto trotz, die Abfahrt machte tierischen Spass. Obwohl das Bikejahr 2010 eigentlich erst begonnen hat, wird dieser Trail Ende Jahr bestimmt zur Aufzählung der Top-Highlights gehören, egal was heuer noch kommt.

Kurz vor der Asphaltstrasse in Ägerte schleicht sich der Weg eng einer alten Steinmauer entlang. Den Birgischwald hatte ich inzwischen verlassen.

Die nächsten 100 Hm musste ich auf Teer vernichten. Doch die waren schnell gegessen und nach dem Milchbach schoss ich in den alten Säumerweg ein. Dort warteten nochmals teils äusserst ruppige 400 Hm Downhill auf mich.

      Der Beginn hat ein weing Dschungel-Touch

      Auch hier wechseln sich holprige...

      mit schnelleren Passagen ab.

Meistens aber werden Biker und vorallem Material sehr gefordert. Der Weg ist meistens mit alten Kopfsteinpflastern belegt, welche mich heftig durchschütteln. Doch auch so kommt der Spass selbstverständlich nicht zu kurz!

Gerade mal 50 Hm vor dem Bahnhof Brig spuckt mich der Säumerweg in die Zivilsation aus und somit auch auf den Aspahlt. Man rechne: Abfahrt gesamt: 1350 Hm, Trailanteil: 1200 Hm. Diese Zahlen alleine waren diesen Tagesausflug ins Wallis alleweil wert. Wie sagte ich doch schon letzten Herbst? Ah ja genau: "Wallis ich komme wieder!"

GPS-Track: Belalp.gpx

Google Earth-Datei: Belalp.kmz

Distanz: 28 km / Fahrzeit: 3h 17 min / Höhenmeter: 1500 Hm