Letzten Sonntag machte ich mit sechs Bikefriends eine herausragende Tour über den Griespass und den Passo San Giacomo. Alles passte an diesem Tag. Das Wetter, die Stimmung und die Trails. Hier der Bericht einer der besten Biketouren meines Lebens!

Früh aufstehen hiess es an diesem Sonntag. Einige der Teilnehmer hätten den Wecker bei dessen klingeln am liebsten an die Wand geschmissen. Hilft nichts, die Berge rufen. Und bereut hatte das frühe Aufstehen an diesem Tag niemand. Und da wir ein bisschen zu früh in Airolo ankamen, gabs noch einen Kafffee und im Postauto dann der erste Schnupf. So waren nun definitiv alle wach und munter und während der Fahrt auf den Nufenenpass konnten wir bereits ein erstes Mal die atemberaubende Bergwelt rund ums Bedrettotal bewundern.

Beim aussteigen aus dem Postauto auf der Passhöhe oben hiessen uns als erstes die kalten Temperaturen willkommen. Erwartungsgemäss war es auf dem Nufenenpass (2478m) sehr frisch am Vormittag um neun Uhr. So wurden noch ein bisschen die Pneus gepumpt und im Restaurant etwas eingekauft.


Ein paar Augenblicke später gings dann endlich los. Und zwar bekamen zu Beginn gleich mal alle ein bisschen kalt. Den die ersten paar Meter auf dem Bike gings auf der Walliser Seite die Passstrasse runter bis zum Pt. 2303. Dort machten sich dann alle leicht schlotternd an den ersten Aufstieg ran. Nach diesem frischen Start kam dies gerade allen recht.


Nach 140 Hm Aufstieg konnten wir die unglaubliche Sicht auf den Griessee, den Griesgletscher und die umliegeneden Berge geniessen. Wir waren alle hin und weg von diesem irrsinnigen Panorama!


Nach diesem ersten kleinen Zwischenstopp begann der bekannte Singletrail zum Griespass, und zwar gleich mal mit einer kurzen aber knackigen Schiebepassage.


Doch kaum war diese überstanden, begann was vom allerallerfeinsten, was ich bis jetzt jeh mit meinem Bike unter die Stollen genommen habe...!!!!

      Achtung, fertig, los! (@ Silvan: Tolles Foto!)

Schon viel hatte ich bei den Vorbereitungen für diese Tour vom Trail zum Griespass gelesen, wie toll der sei. Und meine/unsere Erwartungen wurde vollends erfüllt. Seht selbst!

      Der erste Teil zwar flowig, aber zur Seeseite stark abafallend.

Der zweite Teil war dann nicht mehr so abschüssig, aber genau gleich flowig. Alle genossen diesen unglaublilchen Trail, der zwar meistens bergauf ging, aber fast durchgehend fahrbar war. Das sind Trails, aus welchen Bikerträume gemacht sind!!!

So erreichten wir den Griespass auf 2'487 m und somit auch die Landesgrenze. Einmal mehr bewegten wir uns nun auf italienischen Terrain.

      Griespass, 2'487 m

      Hochebene auf dem Griespass


Alle waren nun gespannt auf die anscheinend anspruchsvolle Abfahrt zur Bättelmatt runter.

      Die ersten paar Meter konnten wir es noch laufen lassen...

...doch der Trail wurde bald schwieriger.

      Ich habe nur die fahrbaren Stellen fotografiert...

...diese aber waren wirklich unglaublich toll!


Der Untergrund war, wenn nicht gerade verblockt, erdig und sehr griffig. Das machte die Sache bei den fahrbaren Stellen einfach und spassig. So gingen auch die scheinbar engen Serpentinen ganz gut zum fahren. Eine wirklich tolle Abfahrt. Je nach Fahrkönnen hats 2-3 oder dann halt 6-7 Schiebepassagen. Diese sind aber jeweils nur ein paar Meter lang und stören kaum.
Im unteren Teil erreicht man langsam den Talboden des Valle del Gries und ein wunderschöner Trail führte uns den letzten Teil dieses Downhill entlang bis zur Bättelmatt.


Wir frohlockten alle, das war wirklich genial. So folgte nun eine rasend schnelle Schotterstrasse zum Lago di Morasco runter.


Der letzte Abschnitt bis vor Riale wäre dann auf Asphalt zu fahren. Dort empfiehlt sich aber der Wanderweg, welcher die Strasse ständig kreuzt. Ist zwar kurz, macht aber Spass.

Um elf Uhr trafen wir in Riale ein und assen im Restaurant Walser Stuba ein Panini. Gezahlt wurde natürlich mit Euro, da wir ja in Italien waren.
Der Name des Restaurants aber kommt von den Walsern, welche im 13. Jahrhundert vom Oberwallis ins Val Formezza wanderten und dort Dörfer gründeten. Zum Beispiel eben auch Riale, das zu Deutsch "z' Chärbach" heisst. Auch die Toiletten im Restaurant waren mit Mändli und Wibli angeschrieben. Die Geschichte der Gegend ist allgegenwärtig.
Das wir uns aber während der Mittagspause im Piemont befanden, wurde uns spätestens bewusst, als die Serviertochter unsere Bestellung aufnehmen wollte und von uns niemand italienisch spricht und sie kein Wort Deutsch. Das Essen bekamen wir natürlich trotzdem serviert.

      Restaurant Walser Stuba in Riale.


Nach der Mittagspause bogen wir ausgangs Riale links ab auf eine alte Armeestrasse. Diese führte uns in einer angenehmen Steigung zum Lago Toggia rauf.

Nach dem Lago Toggia stieg die Strasse nur noch minim an. Die Sicht auf den See und die Berge waren auch hier unvergleichlich!


Kurze Zeit später erreichten wir den Passo San Giacomo, auf welchem wir erneut die Landesgrenze überfuhren und fortan wieder schweizer Boden unter den Füssen, respektive Stollen, hatten.

      Passo San Giacomo, 2'320 m


Der anschliessende Singletrail runter ins Bedrettotal setzte dann dem ganzen bisherigen Erlebten noch die Krone auf.

      Gleich zu Beginn, noch auf dem Pass.

      doch schon bald gehts runter, mit Blick ins Bedrettotal.

      Trailsurfen ohne Ende!!!


Im Val Colla war es Geri, diesmal war ich zuständig für den einzigen Plattfuss des Tages. :-)

Doch schon bald ging das Trailgaudi weiter. Ein kaputter Schlauch kann uns doch nicht aufhalten...

      Auch ein Bergbach nicht...      Die tollen Trails nahmen kein Ende auf diesem Downhill!


Irgendwo bei Halbzeit der Abfahrt brausten wir durch einen landschaftlich sehr reizvollen Abschnitt mit schönen, aber auch tiefen Gebüschen. Hubi und Geri wollten sich diese etwas genauer anschauen... :-)

Böse Zungen behaupten, dass Geri in Hubi fuhr und es so zum Crash kam. Ob Geri dieses Gerücht bestätigen kann...? Und die Gebüsche waren wohl so tief, das Hubi auf den Fotos gar nicht zu erkennen ist. Eines ist jedenfalls klar. Die anderen fünf Mitbiker/innen hatten ihr Gaudi an dieser lustigen Situation. Und verletzt wurde auch niemand.


Als sich alle von diesem Zwischenfall erholt hatten, gings weiter mit supertollen Singletrails.


Unten im Tal angekommen, wählten wir bis auf eine kleine Ausnahme die Asphaltstrasse zurück nach Airolo. Via Ronco - Bedretto und Villa fuhren wir auf der Nebenstrasse und zum Abschluss gabs auf der Passstrasse zwischen den ganz Verrückten in unserer Gruppe noch ein kleines Wettrennen.




So kamen alle glücklich und zufrieden in Airolo an. Die Eindrücke und das Erlebte an diesem Tag auf dieser Tour wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Es war wirklich supergeil mit Euch sechs. Vielen Dank fürs Mitkommen und für die Begeisterung während der Tour! Für eine solch tolle Gruppe macht es riesig Spass, den Guide zu spielen!

GPS-Track: Griespass.gpx
Google Earth-Datei: Griespass.kmz

Distanz: 41 km / Fahrzeit: 3 h 22 min / Höhenmeter: 850 Hm