Nachdem ich sehr gut geschlafen habe gibts ein leckeres Frühstück. Draussen lacht bereits die Sonne und die Berge zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Der Tag könnte gut werden...
Nach dem auschecken fahre ich zu Beginn über die Staumauer des Ritomsees.

 

Danach führt die Strasse flach dem See entlang. Der hat wohl auch schon mehr Wasser gesehen in seinem Leben.

 

      Lago Cadagno, oberhalb des Ritomsees

Gegen Ende des Sees beginnt die Strasse zu steigen. So erreiche ich wenig später die Cadagno Hütte.

 

Da mein Magen immer noch voll ist vom Frühstück und ich noch ein paar Riegel im Rucksack habe, mache ich hier keine Pause. Die Strasse steigt weiterhin an, der Untergrund bleibt aber bequem zu fahren.

      Spannender Verlauf der Murinascia Grande

Bei der Alpe Carorescio wird die Strasse ruppiger und noch ein Stück steiler. Schon bald muss ich das erste Mal schieben.

      Alpe Carorescio, 2'127 m

       Blick nach links: In der Mitte der Passo dell' Uomo


Die Kuppe da vorne, ist das bereits die Passhöhe?


Kaum auf dieser Kuppe angekommen, stelle ich fest, dass es noch weiter geht. Und der weitere Verlauf sieht nochmals nach Arbeit aus. Zuerst gibt aber einen kurze aber schönen Singletrail. Ob das ein Vorgeschmack auf die Abfahrt war...?

      Immer Richtung Passo del Sole

Danach kommt das Bike einfachkeitshalber zum ersten Mal heute auf die Schultern.

      Blick zurück

      Auch die Murmeltiere waren unterwegs 

Etwas weiter oben gehts dann wieder schiebend. Nach einer Linkskurve sehe ich dann die Passhöhe. Ich habe keine Zweifel mehr, dort oben ist der Passo del sole.


 

Und ein paar weitere Minuten schiebend bin ich oben.

      Passo del Sole, 2'376 m

Das Panorama hier ist unbeschreiblich schön, ich befinde mich inmitten einer fantastischen Bergwelt.
Etwas später kommen zwei Biker auf den Pass. Diese zwei habe ich bereits vorher eingeholt. Nun kommen wir ins Gespräch. Auch sie sind zum ersten Mal hier oben. Sie machen aber keine lange Pause, sondern fahren nach knapp fünf Minuten wieder los. So kann ich gleich mal schauen, wie sie sich auf den ersten Metern des Downhills schlagen.
Der Beginn sieht sehr anspruchsvoll aus und auch die beiden Biker müssen immer mal wieder absteigen.

Etwas später mache auch ich mich wieder auf den Weg. Und auch für mich gilt die ersten rund 50 Hm schieben. Der Weg ist schlicht zu verblockt. Doch halb so schlimm denke ich, der weitere Teil des Trails sieht klasse aus.

Und genau das ist er auch. Ein paar Absätze mit viel Flow. Genau die Mischung die ich mag. Und da es nicht zu steil ist kann ich fast alles fahren.



 


Hier schlängelt sich der Weg dem Hang entlang.

Kurz darauf wirds wieder schwieriger. Der erste Teil kann ich nicht fahren.

 


Doch danach gibts kein Halten mehr. Es macht den Eindruck, als wolle der Trail mich abwerfen, doch er schafft es nicht. Ich komme in einen richtigen Rausch. Zwei, drei Mal bewege ich mich hart an der Grenze. Im Normalfall fahre ich solche Sachen nicht, aber heute läufts. Und es geht alles ohne Sturz von dannen.

 


In Lareccio geht der Trail weiter, nun alles der Gottardo Bike Route entlang.

 

Und wieder gibts ein paar Grenzfälle. Einmal gerät mir das Bike ausser Kontrolle, einen Bruchteil später hab ich es wieder. Unglaublich!!! Das Adrenalin und die Glückshormone tanzen um die Wette!



Von diesen kniffligen aber unglaublich tollen Passagen gibts keine Fotos, da ich es einfach laufen liess und keine Lust hatte, anzuhalten.
Irgendwo kommt eine einsame Wiese. Diese nutze ich für eine Pause, um ein bisschen runter zu fahren. Ausserdem rufe ich bei dieser Gelegenheit schnell in die Jugendherberge Bellinzona an und reserviere mir dort ein Bett für die kommende Nacht.


Anschließend geht die Trailschlacht weiter.

Die Trails wechseln sich ab mit Schotter- und Asphaltstrassen. Das passt mir sehr gut, je länger die Tour dauert. Solche tollen Trails sind kräfteraubend, aber machen trotzdem unglaublichen Spass!


Beim nordischen Skizentrum Campra, wo jetzt im Sommer tote Hose herrscht, mache ich die überfällige Mittagspause. Nach einer solch unbeschreiblichen Abfahrt müssen dringend die Speicher nachgefüllt werden.


Nach einer feinen Portion Pasta geht die Tour weiter - natürlich auf vielen, endlosen Singletrails!

 

Das Valle Blenio macht seinen Ruf als Trailparadies alle Ehre. Ich frage mich, wie lange das noch so geht? Hört diese Abfahrt denn nie auf...? Unglaublich




Doch je länger die Abfahrt dauert, desto mehr spüre ich, wie mein Kopf leerer wird. Irgendwann in der Hälfte des Tales kann ich die Strecke nicht mehr so richtig geniessen. Ob es vorher vielleicht doch nicht ein paar grenzfällige Trailpassagen zu viel gab, welche meine Konzentration zu fest forderte...?

      Sommascona - erstes Dorf seit Piotta gestern Abend 

So entschliesse ich mich bereits in Olivone, dass ich von Biasca nach Bellinzona den Zug nehme.

 

Dieser Gedanke befreit meinen Kopf wieder und ich kann die nächsten Trails wieder geniessen. Und davon gibt es auch im unteren Teil des Valle Blenio noch ein paar. Und ich erwische mich wieder dabei, wie ich versuche, soviel wie möglich zu fahren.



 

Kurz vor Biasca ist dann tatsächlich Schluss und ich rolle den letzten Teil leicht bergab auf Teer dem Bahnhof entgegen.
Und wie gestern stimmt auch heute das Timing perfekt. Denn 15 Minuten später fährt mein Zug.

      Bellinzona

In der Jugi angekommen kann ich nach einer erneut wohltuenden Dusche meine dreckigen Bikekleider in die Waschmaschine werfen. Ein sehr willkomener Service.

      Jugendherberge Bellinzona 

Als ich wenig später nochmals den Wetterbericht checke und dieser für Donnerstag immer noch ergiebige Niederschläge und Gewitter hat, ist der Fall klar für mich. Morgen mache ich noch eine Tour hier im Tessin und dann geht es bereits nach Hause. Auch der Freitag sieht nicht zwingend gut aus. Gegen ein bisschen Regen hätte ich nichts, aber bei ergiebigen Niederschlägen macht Biken keinen grossen Spass.

Heute aber war die Abfahrt vom Passo del sole durchs Valle Blenio was vom Allerbesten, was ich bis jetzt mit meinen Bike gefahren bin. Da war ich nicht das letzte Mal oben.

GPS-Track: Passo del sole.gpx
Google Earth-Datei: Passo del sole.kmz

Distanz: 53 km / Höhenmeter: 765 Hm / Fahrzeit: 4 h 11 min

Nachtrag: Da ich seit den Tagen im Tessin schon wieder auf einer viertägigen Tour war, haben die noch zu folgenden Berichte etwas Verspätung.