Tag 3 und zudem auch letzter Tag meiner Tessinbike-Tage. Von einer TransTicino kann ja eigentlich nicht mehr gesprochen werden, da ich ja wie im Vorbericht schon erwähnt, heute Abend die Heimreise antreten werde. Die Wetterprognosen sind einfach zu schlecht. Trotzdem gehts heute nochmals in die Berge.

Ursprünglich hatte ich ja vor, die Tour in fünf, allenfalls sechs Tagen, über die Bühne zu bringen. Und zwar ohne ÖV. Da ich aber schon mit der Ritombahn und der SBB zwischen Biasca und Bellinzona geschummelt habe, spielts jetzt auch keine Rolle mehr. Deshalb darf mein Bike zuerst von Bellinzona nach Rivera nochmals Zug fahren...

und gleich darauf zur Alpe Foppa raufgondeln.

In Rivera unten schien noch die Sonne, während des Aufstieges aber herrscht auf einmal Nebel.


Damit rechnete ich nicht, und auch die Bergstation ist umhüllt von Nebel. Deshalb lasse ich auch den Besuch der Mario Botta Kirche aus.
Doch siehe da, kaum fahre ich auf der Alpe Foppa los, beginnt die Sonne sich langsam durch den Nebel zu drücken.


So starte ich voller Vorfreude auf den heutigen Tag den harten Aufstieg.



Die vergangenen zwei Tage gingen nicht spurlos an mir vorbei. Ich fühle mich zwar frisch, aber trotzdem kann ich nur ungefähr die Hälfte des Aufstieges von der Alpe Foppa zur Capanna Tamaro fahren. Die stört mich aber kaum, ich wusste ja was da auf mich zukommt.

      Blick zurück

      Ziel in Sicht!


Nach gut 300 Hm mehrheitlichem Schiebens erreiche ich die Capanna Tamaro.

      Capanna Tamaro, 1'867 m


Nach einer Suppe beginnt unmittelbar nach der Hütte der erste Trail. Dieser ist aber meistens unfahrbar und beinhaltet einige Passagen, welche sogar zu Fuss nicht ganz so einfach sind.

      Tragepassage unterhalb Motto Rotondo


Beim Punkt 1'842 m zweigt der Wanderweg nach rechts auf dem Monte Tamaro. Auch der ist noch nicht so ganz vom Nebel befreit.


Der Bikeweg aber geht links weg. Zuerst eine Stufe runter und schon ist man drauf. Doch auch hier werde ich ständig gestoppt durch verblockte, enge und zu steile Abschnitte. Ich stosse mein Bike mehr als mir recht ist.

Obwohls auch sehr schöne Abschnitte gibt, ist dieses Teilstück nicht gerade mein Ding.


Kaum aber verlasse ich das steinige Gefilde und erreiche den Wald, wird die Strecke schlagartig besser. Ja sogar so besser, dass ich das mühsame Teilstück von vorher schon vergessen habe und sehr schnell in einen Trailrausch komme. Was jetzt folgt, darf ruhig als Highlight meines Bikerlebens bezeichnet werden.

Ein unblaublich schöner Trail, welcher durchsetzt ist mit Absätzen, sonst aber mit Flow vom feinsten glänzt. Dieser Trail kommt für mich schon ganz nahe an das was ich am liebsten mag, wenn ich auf zwei Rädern unterwegs bin.


Nach der Alpe Canigiolo steigt der Trail nun leicht an.


Irgendwann gehts dann genau so leicht wieder runter. Laufen lassen - und geniessen!


Ich befinde mich auf der sogenannten "ewigen Abfahrt nach Agno". Kurz nach La Bassa kommt da ein Abschnitt, welcher übersät ist mit groben Steinen und Felsen. Da würgte ich mich und mein Bike schon vor drei Jahren schon mal runter. Ein zweites Mal tue ich mir das sicher nicht mehr an. So fahre ich auf ca. 1'340 m nicht gerade aus, sondern biege scharf links ab.

      Trotz Bikewegweiser hielt ich hier links.

Und diese Alternative ist um klassen besser als die original Route.

Erneut Ticino-Flow vom allerfeinsten!


Bei der Alpe di Torricella würde mich die Strasse wieder zurück auf die ewige Abfahrt bringen. Doch mir ist weiterhin nach experimentieren und so biege ich beim nächstbesten Trail wieder ab.

Und es geht im gleichen Stil weiter.

Bikerherz - was willst Du mehr?


In Crana spuckt mich der Weg aus. Klasse - ich bin begeistert. So kanns weiter gehn. Für die nächsten paar Minuten gibts nun aber keine Alternative mehr, um Monti di Torricella zu erreichen

Eine gegen Schluss unglaublich steile Strasse führt mich dorthin.


Dort hätte ich dann wieder Anschluss an die Abfahrt nach Agno. Aber wie oben schon mal erwähnt, war ich im Herbst 2008 schon mal da drauf. Deshalb gehts weiter einfach der Nase nach. Auf meinem Navi erkenne ich einen Serpentinentrail nach Torricella runter. Selbstverständlich wird dieser gleich ausprobiert.


Der obere Teil des Weges ist nicht ganz so gepflegt, wie die Trails von vorher. Dies ändert sich dann aber schnell.

Unterwegs hats immer wieder ein par Abzweigungen. Der Weg ist schlecht markiert und so kann es durchaus sein, dass man mal den falschen Weg erwischt. Ich war froh um mein Navi.


Der Weg wäre klasse, wären nur nicht die zu steilen Serpentinen. Da habe ich fahrtechnisch gesehen noch grossen Nachholbedarf. Das ständige Absteigen in den Kurven ist ein lästiger Rhytmusbrecher.

Doch geht es gerade aus, habe ich meinen Spass. Wobei auch die geraden Stücke nun anspruchsvoller sind, als die Trails weiter oben.


Kurz vor Torricella bin ich dann aufgrund der vielen Kurven gar nicht mal so unglücklich ist der Trail zu Ende. Als Abschluss gibts noch einen kurzen Römerweg nach ganz unten und schon bin ich in Torricella.


Und auch hier muss ich nicht lange auf den Zug warten und bin schon auf dem nach Hause weg. So fanden drei unglaubliche und unvergessliche Biketage im Tessin ihr Ende. Aber keine Angst, meine Sommerferien haben ja erst begonnen - da geht noch was! :-)

GPS-Track: Monte Tamaro.gpx
Google Earth-Datei: Monte Tamaro.kmz

Distanz: 18.9 km / Höhenmeter: 430 Hm / Fahrzeit: 1 h 55 min