Ganz spontan (zwei Tage vor Abfahrt) entschieden sich Martha und ich für eine viertägige Vierwaldstättersee-Umrundung mit dem Bike. Die Route hatte ich schon mal letzten Winter zusammen gestellt. So musste ich nur noch ein paar Anpassungen machen und aufs Navi laden. Am vorletzten Sonntagmorgen fuhren wir dann direkt vor unserer Haustüre los mit unseren Bikes!

Das Ziel war Emmetten, ob wir es allerdings dort rauf schaffen werden, wussten wir noch nicht. Denn es waren bereits im Verlaufe des Nachmittags Gewitter gemeldet. So fuhren wir einfach mal los, hatten aber noch nirgends ein Zimmer gebucht. Im Rucksack führten wir alles mit, was wir für die vier Tage benötigten.


Tag 1: Von zu Hause nach Emmetten.

Auf der Strecke alles abseits der Strassen gabs die ersten kurzen Trails und netten Pfade, so auch in Rothenburg.

Die Sonne wollte noch nicht so recht durch die Nebeldecke drücken. Deshalb waren die ersten Trails auch ein bisschen feucht. Je mehr wir uns aber dem Kanton Nidwalden näherten, desto besser wurde das Wetter.

In Hergiswil checkte ich mal das Regenradar. In der Region Genfersee regnete es schon heftig, aber wir sollten es wohl schaffen bis Emmetten. Deshalb mal schnell nachgefragt im Hotel Schlüssel und schon war unser Zimmer gebucht. Sehr gut.

Nach einem Frühstück mit Nussgipfel und Sandwiches (zu Hause gabs nur einen Kaffee) in Hergiswil am See, führte uns die Route weiter abseits des Verkehrs quer durch den Kanton Nidwalden.


Der Loppertrail war im Vorfeld auch noch ein Thema. Aufgrund des nahenden Regens liessen wir den aus. In Beckenried gabs eine kurze Abkühlung im See und kurz darauf begann der einzig nennenswerte Aufstieg des Tages. Steile 430 Hm gings bergauf, wir kamen beide ordentlich ins Schwitzen.


Kurz vor der Passhöhe noch ein schöner Trail.


Und so brausten wir um ca. 15.00 Uhr Emmetten entgegen.


Die Bewölkung nahm zu und so gingen wir ohne Umwege in unsere Unterkunft. Wir konnten im Hotel Schlüssel gleich einchecken. Für 48 Franken pro Person kriegten wir dort ein Doppelzimmer mit Frühstück.

Die Zimmer und das Hotel sind sehr einfach eingerichtet und da es sich wohl um ein altes Bauernhaus handelt, hört man bei jedem Schritt das Holz des Bodens knacksen. Störte uns aber nicht, war irgendwie romantisch. Die Bedienung ist ebenfalls sehr einfach und nicht immer gleich zur Stelle. Eine ältere Frau leitet das Hotel aber mit viel Liebe und gibt sich Mühe für ihre Gäste. Zudem waren die Betten sehr bequem und das Frühstück hat uns auch geschmeckt.
Nur ist das Zimmer nicht so gross. Bei einer Woche mit Koffer und mehr Gepäck wäre es uns wohl zu eng. Auch ist die Dusche nicht im Zimmer sondern auf der Etage. Das war uns aber egal.
Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt aber voll und ganz und sind die eigenen Ansprüche nicht allzu gross, können wir diese Unterkunft nur empfehlen.


Tag 2: Emmetten - Morschach:

Nach dem wir uns nach einem leckeren Frühstück von Frau Näpflin verabschiedeten, lachte bereits die Sonne. Heute ist den ganzen Tag schönes Wetter angesagt. Das Zimmer für die nächste Unterkunft haben wir aber schon am Vorabend gebucht, da wir sicher sein wollten.

Zu Beginn der Tour gings den Brennwald rauf Richtung Seelisberg.


Auf der Brandegg gings dann auf den ersten richtigen Trail der Tour!

Leider waren die Regenfälle von letzter Nacht noch nicht abgetrocknet und so war der steinige Trail teils aalglat! Vorsicht war geboten.

Dieser tolle Trail ist mit Bikewegweisern markiert und auch bikefreundlich hergemacht.


Nach Seelisberg gabs nach einem kurzen Weg der Schweiz-Intermezzo den bekannten Stufenweg nach Bauen. Auch hier waren die oberen Stufen aufgrund der Nässe schlicht zu gefährlich. So war erstmals schieben angesagt.


Im unteren, trockneren Teil ging dann aber einiges und das machte doch sehr sehr Spass!


Nach Bauen fuhren wir weiter dem schönen See entlang. Wir befanden uns bereits im Kanton Uri. In Seedorf im Seerestaurant assen wir zu Mittag und fuhren dann weiter nach Flüelen.


Wir kamen zügig voran, die spektakuläre Axenstrasse war die nächste Station.


In Sisikon stand dann noch der Schlussaufstieg nach Morschach auf dem Programm. Den ersten Teil fuhren wir der Strasse nach Riemenstalden entlang. Beim Pt. 598 bogen wir links ab. Hier wäre es wohl klüger gewesen, erst bei der Binzenegg abzubiegen. Denn der Weg danach wurde steil und war gegen Schluss nur schiebend zu bewältigen.


In Schilt war dann der höchste Punkt des Aufstiegs erreicht und so brausten wir die letzten paar Meter auf Asphalt Morschach entgegen.
Dort bezogen wir das gebuchte Mehrbettzimmer im Swiss Holidaypark. Wir hatten Glück, es waren nur zwei Betten drin. Perfekt!
Hier kriegt man für Fr. 75.- ein Bett in einem Mehrbettzimmer. Ebenfalls in diesem Preis inklusive ist ein unschlagbares Frühstücksbuffet (!), der Eintritt ins Erlebnisbad und in die Sauna. All dies wurde von uns natürlich ausgenutzt. Und auch hier passte für uns das Preis-/Leistungsverhältnis.

      Klein aber fein. Für eine Nacht reichts vollkommen.

Für das Abendessen können wir das Restaurant Schwiizer Stube empfehlen, welches ebenfalls zum Swiss Holidaypark gehört.


Tag 3: Morschach - Rigi Staffel

Der Plan für heute war klar. Wir fahren bis Gersau und entscheiden uns dann, ob wir die Rigi erklimmen werden oder nicht. Da es für Martha die erste mehrtägige Tour überhaupt war, wollten wir spontan entscheiden. Die giftigen Aufstiege der ersten beiden Tage waren nicht ganz spurlos an ihr vorbei gegangen.

Zuerst aber freuten wir uns auf den Trail nach Brunnen runter. Kurz nach dem Start hatten wir einen fantastischen Ausblick auf den Hauptdarsteller dieser Tour!

...und auf der rechten Seite bereits die Rigi im Blickfeld.

Der Trail war technisch eher einfach, hatte aber ein paar tückische Passagen. Eine davon wurde einer Bikerin zum Verhängnis, welche wir unterwegs antrafen. Sie stürzte unmittelbar vor uns, passiert ist aber nichts.


Coole Sache dieser Trail, wenn auch ein bisschen kurz. Schnell waren wir in Brunnen unten. Weiter gings dann der Hauptstrasse nach Gersau. Dort war der Entschluss schnell gefasst, wir fahren auf die Rigi. Einen Anruf später war auch unser Zimmer reserviert und so gabs kein zurück mehr.

In Gersau begann die Strasse sofort zu steigen, meistens recht steil.


Martha kam ganz gut den Berg rauf und so erreichten wir 750 Hm später den Gätterlipass. Dort war dann Mahlzeit angesagt. Der Käsekuchen und die Gulaschsuppe schmeckten ausgezeichnet.

      Gätterlipass, 1'190 m


Frisch gestärkt machten wir uns an die restlichen 400 Hm ran. Bald mussten wir die Strasse verlassen und es ging nur noch tragend weiter.

Nur vereinzelt gabs fahrbare Stellen.


Dadurch liessen wir uns aber nicht beirren, wir wussten ja im Vorfeld, was da auf uns zu kommen sollte.
Als wir den vorerst höchsten Punkt unterhalb der Rigi Scheidegg erreichten, gings auf dem Weg der ehemaligen Bahnlinie Rigi First - Rigi Scheidegg weiter. Für Biker und Wanderer ist dies nun ein sehr schön angelegter, breiter Schotterweg.


Schon bald zeigte sich der Kulm zum ersten Mal.


und auch Rigi Staffel, unser Domizil für die folgende Nacht war sichtbar.


Kurz vor unserer Unterkunft kam das Bike aufgrund eines weiteren Wanderwegs nochmals kurz auf die Schultern.


Einen Moment später erreichten wir dann das Hotel Berggenuss auf Rigi Staffel. Trotz eigentlichem Ruhetag war emsiges Treiben im und ums Hotel. Eine Gesellschaft für den Abend wurde erwartet und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Trotzdem wurden wir äusserst freundlich begrüsst und fühlten uns sofort willkommen.
Nach dem einchecken deponierten wir kurz unsere Rucksäcke im Zimmer und schwangen uns wieder aufs Bike. Denn es wartete noch der höchste Punkt der ganzen viertägigen Tour auf uns...



Der Schlussaufstieg zehrte dann nochmals an den letzten Kraftreserven, ist er doch durchweg sehr steil. Oben angekommen genossen wir die tolle Aussicht über die Zentralschweiz. Schade war es nicht mehr so sichtig, sonst hätten wir noch viel mehr gesehen.

      Rigi Kulm, 1'798 m


Da es kühler wurde und die nächste Front im Anmarsch war, verweilten wir nicht allzulange auf dem Gipfel und fuhren wieder runter zu unserer Unterkunft. Dabei wählten wir, wo möglich, die kleinen Seitentrails.


Unser Doppelzimmer im Hotel Rigi's Berggenuss war dann wirklich vom allerfeinsten. Für Fr. 80.- pro Person darf man hier Übernachten. Und auch das Frühstück wurde uns sehr lecker zubereitet, obwohl wir die einzigen Hotelgäste waren. Das nennt man Service, wir waren ganz bestimmt nicht das letzte Mal in dieser Unterkunft.



Tag 4: Rigi Staffel - Luzern

Im Vorfeld war der Wetterbericht für unseren letzten Tag bereits nicht mehr so gut und leider traf dies auch ein. Bei unserer Abfahrt auf Rigi Staffel präsentierte sich uns ein trübes Bild.


Nichts desto trotz gings natürlich weiter. Und kaum waren wir auf dem Trail zur Seebodenalp runter, liess der Regen nach.

Trotz der Nässe war der Weg sehr gut fahrbar und bereitete uns grossen Spass.

Der Weg ist eher einfach und deshalb ein ganz dankbarer bei nassen Verhältnissen.


Teil zwei der Abfahrt nach Küssnacht war dann ein Experiment. Nirgends im Internet fand ich Infos über das folgende Teilstück. Ein Kollege und ein Velofahrer, den wir auf dem Gätterlipass antrafen, meinten, dass es ein schöner Weg sei mit dem Bike. So musste dieser ausprobiert werden.

Der Weg ist im oberen Teil zwar steil, aber einfach zu fahren. Uns passte das sehr gut. Der zweite Teil ist dann klar technischer. Die glitschigen Stufen waren nicht immer fahrbar.

Dieser Trail startet bei Chrüzegg (rechts vom Seebodenalp-Parkplatz) und führt dann alles dem Grat entlang Richtung Küssnacht/Immensee.


Der Schlussteil gilts auf Teer zu absolvieren.


Eine gelungene Sache dieser Downhill, fahren wir sicher mal wieder runter. Nur sollte es das nächste Mal trocken sein, würde noch ein bisschen mehr Spass machen.
Bis nach Meggen fuhren wir der Hauptstrasse entlang. Dort radelten wir auf ein paar Seitensträsschen immer näher Luzern entgegen.


Und so erreichten wir nach 146 km, 3'200 Hm und knapp 12 Stunden Fahrzeit unser Ziel Luzern!


Da wir ziemlich um 12.00 Uhr ankamen gabs gleich eine feine Pizza zum Mittagessen. Da es stärker zu regnen begann, nahmen wir den Bus für den Heimweg.
So fand eine unvergessliche Tour ein Ende. Für uns beide war und ist klar: Sowas machen wir wieder mal!

Wer interesse am GPS-Track hat, bitte melden.