Am letzten Sonntag machten Martha und ich etwas, was wir noch nie gemacht haben. Und zwar gingen wir so biken, wie wir im Winter skifahren gehen. Das heisst soviel wie: Mit der Bahn rauf und mit dem Bike runter. Und dies natürlich dann mehrere Male!

An der Talstation der Titlisbahn lösten wir für Fr. 44.- eine Tageskarte. Inbegriffen darin sind folgende Bahnen: Engelberg - Trübsee, Trübsee - Jochpass, Engstlenalp - Jochpass. Ebenfalls inklusive sind auch sämtliche Biketransporte bei den genannten Bahnen. Na dann mal los!

Oben auf dem Trübsee angekommen stiegen wir das erste Mal auf unsere Bikes. Dem malerischen Trübsee entlang fuhren wir zur Sesselbahn, welche uns auf den Jochpass führen soll.


Bei der Talstation der Jochpass-Sesselbahn konnten wir unsere Bikes den freundlichen Angestellten übergeben, welche sich um den Transport kümmerten. Da sagten wir natürlich nicht nein! Und bereits von der Bahn aus konnten wir den Biketrail vom Jochpass zum Trübsee anschauen. Das sah doch schon mal gar nicht so schlecht aus...


Oben angekommen, hatten wir noch etwa zwei Minuten zu warten, als auch unsere zwei Drahtesel eintrafen. Auch oben wurde uns mit den Bikes geholfen. Ein toller Service wird einem da geboten!


Um warm zu werden und um in den Rhytmus zu kommen, wählten wir zuerst den einfacheren Trail zur Engstlenalp runter.

Und dieser war dann wirklich geprägt von viel viel Flow. Also eigentlich ist es fast nur Flow. Wobei wir uns nicht störten daran. Wir liessen es dann einfach dementsprechend krachen.

Trotz der Einfachkeit muss erwähnt werden, dass der Trail sehr schön angelegt und ist ein paar tolle Kurvenkombinationen hat. Uns gefiel es auf jeden Fall!


Super ist, dass in diesem Gebiet die Biketrails und die Wanderwege getrennt sind. Wir hatten den Trail für uns alleine, respektive durften ihn mit ein paar anderen Bikern teilen. Und die Wanderer hatten für einmal "Ruhe" vor uns Bikern :-)
Da wohl viele Touristen auf den Titlis gingen, war es auf der Jochpass-Seite dementsprechend ruhig. Wir mussten (mit Ausnahme bei der Talstation in Engelberg) nie anstehen. Auch bei der Sesselbahn von der Engstlenalp zum Jochpass konnten wir unsere Bikes an den Hacken hängen und einfach einsteigen.


Oben angekommen war dann der Trudytrail an der Reihe. Das ist derjenige Biketrail, welcher zum Trübsee runter führt, und welchen wir vorher schon von der Bahn aus beobachten konnten.

Da Martha an diesem Weekend ihr Stöckli Bike im Service hatte, kam auch sie in den Genuss eines Testbikes. Sie kriegte ein 160mm Enduro Bike. Da sah ich mit meinem 100mm Univega natürlich alt aus. :-) Dies war mitunter auch ein Grund, weshalb wir nicht eine gewöhnliche Tour machten, sondern den Schwerpunkt aufs Runterfahren setzten.

Und nun ein paar Bilder und Wörter zum Trudy-Trail.

Dieser war dann schon ein anderes Kaliber als der Engstlentrail von vorher. Enger, steiler und kniffliger präsentierte er sich uns. Uns gefiels aber und ein solcher Trail war natürlich genau das Richtige für das Bike von Martha.

Dass der Trail viel befahren wird, war unübersehbar. Viele ausgefahrene Löcher zwangen uns immer mal wieder, von der Ideallinie abzuweichen. Dies war aber gleichzeitig wiederum ein gutes Training. Ein bisschen zirkeln hat noch keinem Biker geschadet.

Der mittlere Teil war der schwierigste. Hier mussten wir beide zwei-drei Mal für jeweils ein paar Meter absteigen und schieben.


Das untere Drittel war dann wieder etwas einfacher, aber weiterhin untersetzt mit Absätzen, Kurven und Steinen.


Doch nicht zu übersehen war, dass Martha mächtig Spass hatte mit ihrem Ersatzbike. Auch Stufen und Absätze waren kein Problem mehr.

Und auch ich hatte, trotz 6 cm weniger Federweg, natürlich meine Freude an diesem Downhill!


Unten angekommen kamen uns die gepolsterten Sitze der Sesselbahn, welche uns wieder auf den Jochpass führte, gerade recht. Denn erst als wir uns setzten, spürten wir, wie ein solcher Trail schlauchen kann.

Auf dem Jochpass angekommen, steurten wir gleich ins Restaurant und wurden dort sehr freundlich bedient. Und was wir serviert bekamen, schmeckte uns vorzüglich. Auch hier stimmte alles für uns. Für hungrige Biker können wir das Restaurant Jochpass nur empfehlen.

Am Nachmittag machten wir dann noch zweimal den Engstlentrail und zum Abschluss nochmals den Trudytrail. Fotos machten wir keine mehr, es waren ja die gleichen zwei Trails wie oben bereits bebildert. Zu erwähnen gilt aber noch, dass uns beiden der Trudytrail am Nachmittag viel besser lief und wir fast alles fahren konnten. Das war klasse!!

Im Restaurant Alpstübli am Trübsee gönnten wir uns ein Dessert inklusive Kaffee. Währenddessen überlegten wir uns, wo es wohl am spannendsten wäre, zum runterfahren. Wir nahmen an, dass uns bis zur Gerschnialp wohl nur die Strasse bleiben würde. Und von dort soll es ja einen Northshore Trail geben. Mal sehen.

Als wir aufs Bike stiegen, fuhren wir aber nicht gleich auf die Schotterstrasse, sondern rechts am Restaurant vorbei. Wir hatten keine Ahnung wo wir da hinkamen. Wohl wieder zurück auf die Strasse, waren wir uns eigentlich sicher. Doch die Bikegötter war gut mit uns gewillt, und so begann völlig unverhofft am Ende des Sees ein traumhaft schöner Trail.

Und dieser Weg war wirklich traumhaft schön. Das Meiste ging herrlich zum fahren, nur vereinzelt gabs ein paar Hindernisse. Diese konnten wir aber mit ein wenig zirkeln ebenfalls im Sattel bewältigen. Zudem war der Trail staubtrocken - eine wahre Freude!


Nach der Bergstation der Untertrübseebahn gings abwechslungsreich weiter.


Immer mal wieder wurde der Singletrail anspruchsvoller. Unsere Fahrkünste wurden regelmässig auf die Probe gestellt.


Doch fast das tollste war, dass die Strasse auf der rechten Seite des Tals bereits im Schatten war. Wir aber auf der linken Talseite auf dem Trail, hatten immer noch strahlenden Sonnenschein.


Auf der Höhe von 1'420 m wurde der Trail dann richtig technisch. Martha, welche bis vor kurzem solche Sachen so gut wie nie fuhr, wuchs quasi über sich heraus. Jede Stufe, jeder Absatz, jedes Hinderniss - egal wie steil und knifflig, alles wurde gefahren. Sie und ihr Endurobike wurden Eins. Ich staunte nur noch, und sie auch :-)


Und auch für mich hatte dieser Trail den perfekten Schwierigkeitsgrad, so dass es heftig Spass machte. Ein herrlicher Abschnitt!


Für alle, welche schon im Engadin waren und den Trail der Cascata da Bernina entlang kennen, oberhalb des Morteratsch-Bahnhofes, welcher unmittelbar bei einem Bahnübergang endet: Der Trail hier oberhalb Untertrübsee ähnelt diesem.

Danach fuhren wir auf der Strasse weiter bis zur Gerschnialp. Wir waren gespannt auf den Northshore Trail. Bei der Bergstation Gerschnialp war dann auch ein Wegweiser, welcher die Richtung wies. Wir fuhren los und dann kam lange nichts. Wir wussten nicht, ob wir ihn schon verpasst hatten. Bei der Hinter-Gerschnialp, wir hatten immer noch keine Ahnung ob wir richtig waren, bogen wir einfach mal links ab. Und siehe da - beim Beginn des Waldes war der Eingang des Trails.

Der Beginn war dann zu deftig und die ersten paar Meter mussten wir schieben. Dann aber wurde der Trail interessanter und spannender.


Schon bald folgten die ersten angelegten Hindernisse.

Das ganze Projekt wurde mit sehr viel Hingabe gebaut und die Northshore Elemente sahen sauber und sicher aus. Wir sahen sofort, hier wurde professionell gearbeitet!

Einige Elemente waren auch für uns fahrbar.

Und wenn einem die Sprünge und Anliegerkurven zu schwierig sind, können diese alle umfahren werden.
Der letzte Teil ist allerdings noch nicht fertig gestellt. Deshalb müssen wir wohl wieder mal vorbei schauen.


Ganz zum Schluss ist es dann nur noch ein Singletrail, welcher allerdings getrost ausgelassen und auf dem Kiesweg umfahren werden kann. Denn der Trail ähnelt da mehr einem schottrigen Bachbett. Dieser Abschnitt war aber nicht allzu lang und von dem her kein Problem.
Alles in allem eine gelungene Geschichte. Es ist sehr schön zu sehen, dass sich was tut in den Bikerkreisen und solche Trails gebaut werden. Auch die Abfahrten auf dem Jochpass sind sehr gelungen. Zudem trafen wir nur freundliches und hilfsbereites Personal an, sei es an den Bahnen oder im Restaurant. Und deshalb ist klar: Eine solche Tageskarte werden wir sicher wieder mal lösen gehen!

Und hier noch die GPS-Tracks zum nachfahren:

Jochpass - Engstlenalp.gpx
Jochpass - Truebsee.gpx
Truebsee - Engelberg.gpx

Distanz: Unwichtig / Fahrzeit: Auf den Trails fehlt das Zeitgefühl / Höhenmeter bergauf: 70 Hm / Höhenmeter bergab: 2'470 Hm (!)