Der Vormittag unseres vierten Biketages stand unter dem Motto: "Carosello 3000-Challenge, wer ist schneller?". Und am Nachmittag stateten wir dem Valle di Mine einen Besuch ab. Aber alles schön der Reihe nach...

Am Dienstag fuhren wir ja mit der Carosello 3000 Bahn rauf zur gleichnamigen Bergstation. Während der Gondelfahrt ist die steile Schotterstrasse, welche ebenfalls dort hoch führt, etliche Male zu sehen. Auch sahen wir zwei Biker, welche sich da raufmühten und gerade am schieben waren. Zwischendurch mag ich solch schwierige und steile Aufstiege ganz gern. Mich reizen diese Herausforderungen und das Gefühl, wenn man dann oben ist, ist einfach unbezahlbar. Zudem durchfährt man einige Vegetationen bei diesem Aufstieg. Zuerst im Wald, dann durch grüne Wiesen und oben ist es nur noch karg.

So sagte ich am Dienstag während dem Abendessen zu Martha, dass ich da diese Woche gerne mal rauffahren möchte. Sie sagte dann, sie könne ja die Bahn nehmen, damit ich mein Tempo fahren könne. Ich entgegnete, dass sie dann aber lange auf mich warten müsse. So meinte sie dann, sie könne dann doch auf dem tollen Singletrail ins Valle Federia runter fahren, zurück nach Livigno und wieder mit der Bahn rauf. Und sofort wurde aus einem losen Gedanke eine verrückte Idee: "Wir machen ein Rennen!"

Der Plan also: Ich fahre auf einer steilen Schotterstrasse (5.6 km / 870 Hm / 15,4 % Steigung) aus eigener Kraft rauf. Martha nimmt die Bahn hoch, den Trail runter ins Valle di Federia, die Strasse durch ganz Livigno und dann nochmals die gleiche Bahn rauf. Ziel: Der Veloständer vor dem Restaurant bei der Carosello 3000-Bergstation. Wer zuerst sein Bike dort drin hat, ist der/die Sieger/in.

Sofort begannen wir zu rechnen. Martha war sich sicher, dass ich gewinnen werde. Der Umweg übers Valle di Federia ist einfach zu weit. Ich persönlich rechnete auch eher mit einem Sieg meinerseits, aber ich war mir nicht so sicher, wie es meine Freundin war. Mein Ziel war es, den Aufstieg in eineinhalb Stunden zu absolvieren. Das gäbe dann gut zehn Minuten pro hundert Höhenmeter. Für mich ein realistischer Massstab.

Nun denn, am Freitag 16.09. war es dann soweit. Wir fuhren zusammen von unserem Hotel los bis zur Talstation der Carosello 3000 Bahn. Dort war der Start zu unserer Challenge.
Klar war die ganze Geschichte nur Plausch, doch trotzdem wollten natürlich beide gewinnen. So trennten sich unsere Wege um 10:02 Uhr. Während Martha sich also raufgondeln liess, kam ich schon bald ins Schwitzen. Der Aufstieg ist die ersten paar Minuten noch asphaltiert, wird dann aber steiler und schottrig. Der Wald verschafft ein bisschen Abkühlung.

      Trotz Challenge - Ein paar Fotos mussten schon sein.

Kurz vor der Zwischenstation verliess ich den Wald. Bereits hatte ich die ersten unfahrbaren, steilen Rampen hinter mir.


Mein persönlicher Fahrplan stimmte aber voll und ganz. Ich war schneller als im Vorfeld berechnet und benötigte für 100 Hm nur so um die 8,5 Minuten, als deren 10.

      Zwischenstation Baite Pelo, 2'232 m


Nach der Zwischenstation war mehrheitlich schieben angesagt. Zu steil war die Strasse.


Die Landschaft wurde karger und karger. Ich war immer noch super in der Zeit und machte mir so langsam Gedanken, wo denn wohl Martha sein könnte. Immer mal wieder schaute ich zu den Gondeln rauf, ob ich sie wohl erkennen würde. Klar wollte ich als Erster oben sein, Plausch hin oder her.


Der letzte Kilometer ist dann wieder mehrheitlich fahrbar, mit Ausnahme der letzten, fiesen Rampe. So bog ich um 11:17 auf den grossen Vorplatz des Restaurants ein und mein Blick suchte den Veloständer und ein weisses Stöcklibike da drin. Doch ich sah keines und war somit der Gewinner unserer privaten Challenge.
Das Gefühl war riesig, aber nicht mal unbedingt weil ich Martha geschlagen habe, sondern weil ich nur 1:15 für diesen schwierigen Aufstieg brauchte. Mit einer solch schnellen Zeit habe ich nicht gerechnet. Ich war aber auch dementsprechend kaputt.

      Carosello 3000, 2'740 m.

      Carosello 3000 - Blick ins Tal nach Livigno.


Und wie lange es nun dauern wird, bis meine Freundin eintrifft? Ich schlenderte ein bisschen auf der Terasse herum, da sah ich sie doch bereits in einer der Gondeln sitzen und mir zu winken. Sie ware gerade mal sieben Minuten langsamer als ich und erreichte um 11:24 das Ziel, sprich den Veloständer.

Sie erzählte mir dann, dass sie volles Risiko gefahren sei. Für den Singletrail, welcher 540 Hm runterführt, benötigte sie gerade mal neun Minuten!! Auch die Schotterpiste durchs Valle di Federia fuhr sie rasend schnell und die Strasse hinauf durch ganz Livigno war das Härteste an der ganzen Geschichte. Da fehlte nicht viel, und sie wäre als Erste oben gestanden. Wenn man nur schon bedenkt, dass eine Bahnfahrt über zwanzig Minuten dauerte.
Fazit dieser Challenge: Coole Sache, wenn man solch Verrücktes mit der Freundin machen kann!

Nach einer Cola im Restaurant gings wieder zurück ins Tal nach Livigno. Und dies natürlich auf dem Federiatrail, quasi also auf der Rennstrecke von Martha.


Bei Cascine di Mortarec auf 2'207 m gings dann auf die Kiesstrasse im Federiatrail. Auf einer Höhe von ca. 2'030 m ist ein Abstecher nach I Muri zu empfehlen. Man biegt dort links ab auf eine kurze, steile Strasse. Dann beginnt ein unglaublich schöner Singletrail, teils durch einen Wald. Dort aber liess ich bewusst die Kamera im Rucksack. Denn da dieser Trail was romantisches hatte, behielten wir den nur für uns. Denn alles muss ja auch nicht dokumentiert sein :-).
Wer ihn unbedingt nachfahren möchte, sieht auf dem GPS-Track, wohin er führt.

Am Mittag erreichten wir dann wieder Livigno, wo wir zu Mittag assen. Wie oben erwähnt, gings am Nachmittag ins Valle di Mine, wo wir wieder schön brav miteinander fuhren. Dazu aber mehr im nächsten Bericht.

GPS-Track: Carosello 3000.gpx
Google Earth-Datei: Carosello 3000.kmz