Unglaublich, was der November 2011 uns bis jetzt beschert. Bis weit oben kein Schnee in Sicht und laut akutellen Wetterprognosen hat Frau Holle weiterhin keine Lust, die Decken auszuschütteln. Dies muss natürlich ausgenützt werden. So entschied ich mich letzte Woche für eine Tour, welche mir schon lange im Kopf rum schwirrt.

Über die Dundelegg liest man in Bikekreisen ja immer mal etwas. So wollte ich mir diesen Bergrücken mal genauer anschauen gehen. Ich entschied mich aber nicht für die klassische Variante mit Aufstieg von der Fluonalp, sondern wollte ein bisschen experimentieren...

So fuhr ich zuerst gemütlich mit der Bahn von Luzern nach Schüpfheim. Als ich ausstieg, war es doch sehr frisch. Es herrschten Tempis um den Gefrierpunkt rum. Also schnell auf's Bike, um den Körper mit Wärme zu füllen. Gleich vom Bahnhof weg fuhr ich auf teils gefrorenen Feldwegen und einigen knackigen Trails Richtung Sörenberg.


Beim Chlusboden beginnt die enge und für Velofahrer nicht ungefährliche Lammschlucht. Diese kann aber ohne grossen Umweg sehr schön umfahren werden.


Ich durchfuhr die Höfe Chlusstalden, Staufen und Chärdili und kam beim Ende der Schlucht wieder auf die Strasse. Dann aber nur schnell über die Brücke und schon war ich auf dem Waldemmen-Ufertrail.

Dieser führt alles abseits der Strasse (auf welcher es aber auch recht ruhig war) der Waldemme entlang.


Ab Flühli gesellte sich dann auch endlich die Sonne als Begleiterin zu mir. Schlagartig wurde es wärmer.


Bevor der Aufstieg zur Hirsegg begann, hörte der Uferweg auf und ich war zum ersten Mal an diesem Tag auf der Hauptstrasse. Da gibt es leider kaum vernünftige Alternativen. Doch wie oben schon erwähnt, hatte es kaum Verkehr. Von dem her also kein Problem.
Ein wenig später erreichte ich Sörenberg. Auch dort war es sehr ruhig.


Nach der Talstation der Brienzer Rothorn Bahn begann die Panoramastrasse zum Glaubenbielenpass. Für mich einer der schönsten asphaltierten Übergänge der Schweiz.


Ich kam sehr gut und zügig voran und war schon bald oben beim Parkplatz. Dort guckte ich schnell zum Nebel des Obwaldnerlandes und fuhr dann weiter.


Beim Parkplatz auf 1'565 m zweigt ein Kiessträsschen nach rechts ab. Genau dort führte mein weiterer Weg durch. Dieses führt zur Alp Jänzimatt.

      Jänzimatt, 1'637 m

Dort war dann mal Mahlzeit angesagt. Ich genoss die Ruhe und die tolle Fernsicht. Es war einfach herrlich.

Die Strasse wird dann immer steiler und auch ruppiger. Doch nun konnte ich ständig zum Hauptziel des Tages raufschauen. Beim nächsten Bild ist der Übergang mit den drei Strommasten in der Mitte ,der Chrengepass, bestens ersichtlich.


Beim Heidenboden endete die Strasse und mit Fahren wars erstmal vorbei. Auch konnte ich den Schlussteil erkennen, ein Trail welcher quer entlang dem Hang führt.


Toll, dass ich da sogar etwa die Hälfte fahren konnte.

      Endspurt


Als ich oben ankam, hatte ich die markanten Strommasten gleich über, und eine unglaubliche Aussicht vor mir.

      Chrengepass, 1'916 m

      Blick zurück Richtung Norden mit der Schrattenfluh links im Bild.

Nach einer weiteren Pause gings auf einen Hangquerungs-Trail zur Rückenegg. Da ich voll gegen die Sonne schauen musste, war dieser doch recht knifflig. Die nächsten paar Minuten war ich mit Zirklen und Gleichgewicht behalten beschäftigt. Und eben, die Sicht war nicht immer die Beste. Schön war der Trail aber trotzdem.

Nicht alles war fahrbar. Immer mal wieder musste ich aufgrund grösseren Steinen und sonstigen natürlichen Hindernissen absteigen. Aber wie erwähnte ich doch zu Beginn dieses Berichtes?: Ich wollte ein bisschen experimentieren. Und über diesen Trail fand ich nichts biketechnisch relevantes im Internet.

Doch ich würde meinen, dass sich dies alleweil gelohnt hat. Wer sich wegen ein paar Rhytmusstörer nicht zu fest ärgert, ist hier nicht unbedingt fehl am Platz. Mir gefiel dieser Hangquerungs-Trail auf jeden Fall. Und ganz alleine war ich auch nicht unterwegs, wie das nächste Bild zeigt.


Auf der Rückenegg war dann der Trail zu Ende und es begann eine lange Abahrt. Um präziser zu werden, warteten rund 1'450 Hm darauf, von mir vernichtet zu werden.

Der Beginn war klasse und die Aussicht unbeschreiblich!!!

Einfach herrlich, diesen Bergrücken runter zu brausen.


Doch in regelmässigen Abständen zeigte mir der Trail seine Krallen. Tiefe Löcher im Boden verumöglichten teilweise das Fahren.

      Dundelegg, 1'726 m

Ab der Dundelegg wurde der Weg dann aber wieder besser.

      Blick zurück

Dieser Abschnitt war einfach unglaublich und wohl auch deshalb ist die Dundelegg bei den Bikern so beliebt.


Beim Sädel auf 1'672 tauchte ich dann in den lichten Benderwald ein. Der Trail wurde wieder etwas schwieriger.


Auch hier hatte es (vorallem gegen Ende des Trails) sehr tiefe Löcher, was den Fahrspass etwas linderte. Mehrheitlich aber ein toller Trail. Zum Glück aber war es trocken. Solch tiefes Terrain bei Nässe zu fahren (oder eher zu schieben) wäre dann defintiv der Spasskiller gewesen.

Bei Feldmoos war der Trail vorbei und es folgte die Schotterstrasse über den Äschligrat.

Der Nachteil des Höhenmetervernichtens war unweigerlich fest zu stellen: Ich kam den Nebel ständig näher.


Doch vorher war der nächste Trail am Start. Und dies natürlich noch an der Sonne. Bei Gerischwändi scharf links abgebogen und schon gings los.

Mir gefiel dieser Track sehr gut. Ein Biker aus Zürich, den ich unmittelbar vorher angetroffen habe, hatte nicht ganz soviel Spass wie ich. Wobei ich mich da nicht wunderte, weil er mit einem Hardtail unterwegs war, welches vorne nur 3 cm Federweg hatte.


Bei der Alp Emmetti trennten sich dann unsere Wege wieder. Nach einem kurzen Strassen-Intermezzo gings auf den nächsten Trail. Dieser war zwar ebenfalls mit Laub übersät, machte aber trotzdem Spass!


So genoss ich die letzten paar Höhenmeter oberhalb des Nebelmeeres und schon bald war ich in Giswil.


Dort wäre eine Weiterfahrt auf netten und schönen Nebensträsschen und Trails problemlos möglich bis Luzern. Vorallem der Wichelsee mit seinen imposanten Felswänden wäre einen Besuch wert gewesen. Da ich aber nach soviel Sonne keinen Bock auf grauen Himmel hatte, stieg ich kurzerhand in Giswil in den Zug ein und beendete somit eine tolle Herbsttour.

Jaja ich weiss, die Vorwoche berichtete ich über die Season-End Tour auf dem Monte Tamaro. Aber hey, von mir aus kann die Bikesaison schon noch ein bisschen andauern. Klar ist es nicht mehr ganz so warm, vorallem unter dem Nebel. Aber bei solch strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und der unglaublichen Fernsicht, nehme ich die etwas frischeren Temperaturen sehr gerne in Kauf.

GPS-Track: Chrengepass.gpx
Google Earth-Datei: Chrengepass.kmz

Distanz: 43 km / Fahrzeit: 4 h 28 min / Höhenmeter: 1'350 Hm