Hier nun der erste Bericht meiner Alpenüberquerung der letzten zwei Wochen.

Gleich mal vorweg: Ich werde nicht für jeden Tag einen Bericht schreiben. Teils gab es Tage/Etappen, an denen ich wetterbedingt abkürzen musste und da gäbe zu kurze und zu uninteressante Post's. Zudem nahmen wir es gegen Ende der Tour etwas gemütlicher, auch da wird es "nur" Zusammenfassungen geben. Auch bei diesem ersten Bericht packe ich die ersten beiden Tage zusammen. Soviel zu den Spielregeln - los gehts!

Tag 1: Neudorf - Melchsee Frutt, 02. Juli 2012


Wecker klingelt um sieben Uhr, kurzer Blick nach draussen: es regnet. Also noch ein bisschen liegen bleiben, es regnet immer noch. Nun gut, zuviel Zeit verlieren will ich nicht. Der Rucksack ist bereits gepackt, also gibts noch einen letzten Kaffee und ab in die Regenkleider und dann natürlich: Ab aufs Bike!!

Selbstverständlich habe ich mir den Start meiner Transalp etwas trockener vorgestellt, die heutige Etappe geht aber in die Kategorie "in-die-Berge-bringen". So stehen viel Aspahlt und fast keine Trails auf dem Programm. Auch irgendwelche alpine Übergänge werden für den späteren Verlauf der Tour aufgehoben. Deshalb ist der Regen während des Eröffungtags nicht unbedingt ein Problem, aber eben auch nicht unbedingt nötig.

So gibt es von Tag 1 nicht allzu viel zu schreiben. Der Start ist in Neudorf und auf Nebenstrassen und einigen kurzen Trails erreiche ich Luzern.

Dort macht der Regen bis nach Hergiswil eine kurze Pause. Bei der dortigen Pause drückt sogar ein bisschen die Sonne durch. Ob's das schon war mit dem Niederschlag für heute?

Leider nein, denn wie oben schon beschrieben, nahm Petrus nur ein kurzes Time-Out. Die Laune lasse ich mir deshalb nicht verderben. Nach Stansstad halte ich in Richtung Ennetmoos.


Mehrheitlich regnet es, nur zwischendurch gibts ein paar trockene Minuten. In St. Jakob streifte ich den Mueterschwanderberg, hielt dann aber links in den Kernwald. Dort traf ich den landschaftlich äusserst reizvollen Gerzensee an.


Nach ein paar feinen Trails erreichte ich Kerns.


Eigentlich wäre nun Zeit gewesen für die Mittagspause, doch ich hatte keinen Hunger. Schnell einen Riegel und weiter gehts. In St. Niklausen zückte ich mein Handy und reservierte im Hotel Posthuis auf der Frutt ein Bett im Mehrbettzimmer. Eine Option wäre noch die Stöckalp gewesen, doch da ich zeitlich gut dran war, wollte ich nun ganz rauf.

So gings bei trübem Wetter weiter bis zur Stöckalp.

Hier wird momentan tüchtig an einer neuen Luftseilbahn gebaut. Bei strömendem Regen wollte ich aber keine Zeit verlieren und fuhr gleich weiter. Es war etwas nach zwei Uhr, so hatte ich genügend Zeit für die letzten knapp 900 Hm Aufstieg.


Auch hier weiterhin wechselhaftes Wetter. Zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne und sofort wird es wärmer.


Der Aufstieg zieht sich nun aber in die Länge. Vielleicht hätte ich mich doch zu einer Mittagspause zwingen müssen, die leeren Speicher machen sich nun langsam bemerkbar. Tja, und an den schweren Rucksack muss ich mich halt auch noch gewöhnen. Immer mal wieder esse ich einen Riegel, davon habe ich genügend dabei.

      Blick zurück


Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein und so muss ich gegen Ende doch ziemlich auf die Zähne beissen. Geschlagene 2 Stunden später bin ich dann endlich oben und erblicke meine Unterkunft.

      Hotel Posthuis, Melchsee-Frutt


Und so kommt die alte Weisheit zum tragen: "Am Schluss gehts dann immer irgendwie..." Anyway, ich bin sehr glücklich und fahre natürlich trotzdem noch schnell zum See rauf für das Zielfoto.

      Melchsee, 1'891m

Beim See oben zieht es zügig und der Regen schlägt mir ums Gesicht. Also schnell die Cam wieder verstauen und ab in die gute Stube. Ich kann sofort einchecken und habe den ganzen 8er-Schlag für mich alleine. Noch bevor ich das Zimmer beziehe drückt mir die Wirtin ein Duschtuch in die Hand. Sie wusste genau, was ich jetzt als Erstes brauche...:-)


Die Angestellten waren äusserst freundlich, das Essen war super (!) und dies zu einem tollen Preis. Die Halbpension im Mehrbettzimmer kostet Fr. 75.-. Zum Abendessen gibts einen Viergänger.

Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang fiel ich schon bald in den Schlaf der Gerechten.
Tag 1 war sehr lang und gegen Ende ziemlich hart. Doch die Vorfreude auf die nächste Etappe überwog der Erschöpfung.

GPS-Track: Neudorf-Frutt.gpx
Google Earth-Datei: Neudorf-Frutt.kml

Distanz: 67.4 km / Fahrzeit: 5 h 50 min / Höhenmeter: 1'650 Hm

Tag 2: Melchsee Frutt - Innertkirchen, 03. Juli 2012

Nach dem Erwachen zeigte sich mir die Frutt von ihrer grauen Seite. Ich erkannte kaum den See, so stark war der Nebel. Aber Regen ist heute keiner angesagt, so sollte es zumindest von oben trocken bleiben.

Nach einem feinen Frühstück verabschiedete ich mich von dieser tollen Unterkunft. Zuerst wollte ich um den Melchsee rumfahren, doch aufgrund eines Bikeverbots liess ich dies. So gings direkt zum Tannensee.


Auf der rechten Uferseite hatte ich dann auch das erste Schneefeld zu überqueren - es sollte nicht das letzte sein am heutigen Tag.


Etwa bei Hälfte des Uferwegs bog ich rechts ab auf eine steile Schotterstrasse.


Ein Teil fahrend, ein Teil schiebend, erreichte ich den Gumm.


Von da an bewegte ich mich laut dem Bike-Magazin Ride auf dem längsten Singletrail der Schweiz. Ein ständiges auf und ab begleitete mich bis zum Balmeregghorn. Eine längere Schiebepassage war auch dabei. Die fahrbaren Abschnitte aber machten trotz nassem Untergrund sehr Spass!


Hier war ich übrigens mit Silvan und Geri im Jahr 2009 schon mal. Den Link zu diesem Post findet Ihr hier.


Klar, es war neblig. So schlecht wie die Bilder aber vermuten lassen, war die Sicht nun doch nicht.


Auf dem Balmeregghorn hielt ich dann eine Sandwich- und Nussgipfelpause.

      Balmeregghorn, 2'255m


Als nächstes folgte ein wirklich cooler Trailabschnitt


Nach dieser kurzen aber tollen Abfahrt folgte ein Schiebestück durch ein sehr langes Schneefeld. Dieses war sehr rutschig und ich kämpfte mich da richtiggehend hoch.


Nach diesem Krampf folgte der Trail zur Planplatten hinüber. Die erste Hälfte war nur zum Teil fahrbar und machte nicht sonderlich Spass.


An einem Ort war sogar der Weg abgebrochen...


Die zweite Hälfte gefiel mir dann einiges besser.


So um die Mittagszeit erreichte ich die Planplatten im Hasliberg-Gebiet. Das ist dort, wo der bekannte Alpentower steht.

      Planplatten, 2'189m


Nun folgte eine 1'500 Hm Abfahrt, gespickt mit vielen Trails! Na dann mal los!



Der erste Teil bis zur Mägisalp war super. Grundsätzlich flowig, aber gespickt mit Baumstämmen, welche für die Wanderer als Treppenstufen dienen, mit dem Bike aber sehr viel Spass bereiteten.


Auf der Mägisalp war nicht gerade der Bär los. Ich ging ins Restaurant und stärkte mich mit einer Suppe.

      Mägisalp, 1'708m


Nun folgte die Abfahrt nach Innertkirchen. Unzählige, abwechslungsreiche Trails stellten sich mir in den Weg - ich befuhr sie mit grösster Freude!

Zu Beginn hatte die Strecke noch einige kurze Gegenanstiege.


Auch beim Bidmi war nichts los, ich fuhr gleich wieder weiter - immer schön abwärts!

      Bidmi, 1'428m


Und endlich schaffte es die Sonne, sich durch den Nebel zu drücken.


Die Trails wurden immer trockener, je weiter ich nach unten kam.


Die Wege meist flowig, aber doch mit einem ständig wechselndem Charakter!


Und spätestens in Wyler herrschte Sonnenschein pur! Das Tenu hatte ich schon etwas weiter oben auf kurz/kurz gewechselt.

      Wyler, 735m


Ab auf den finalen Trail nach Innertkirchen runter.

Dieser endete exakt auf Dorfhöhe. Genau so muss eine ordentliche Biketour aufhören!!

Meine Unterkunft für die zweite Nacht war das Alpina-Ritzli in Innertkirchen.


Auch hier stimmten Preis und Leistung überein. Das Essen war sehr gut und es gab mehr als genug. Die Halbpension kostete: Fr. 75.- für eine einzelne Person. Nur die Matraze war sehr unbequem. Habe aber trotzdem gut geschlafen, kein Wunder nach einem solch trailintensiven Tag. Kurz noch ein Blick ins Zimmer:


Das wars von den ersten beiden Tagen meiner Transalp. Das Gewicht des Rucksacks fiel mir am zweiten Tag bereits nicht mehr auf und nach den tollen Trails war ich so richtig in der Tour drin. Fortsetzung folgt...

GPS-Track: Frutt-Innertkirchen.gpx
Google Earth-Datei: Frutt-Innertkirchen.kml

Distanz: 32.3 km / Fahrzeit: 4 h 15 min / Höhenmter: 766 Hm