Hier der Bericht der Tage 3 + 4 meiner Alpenüberquerung.

 

Tag 3: Innertkirchen - Obergesteln, 04. Juli 2012 

Der Tag in Innertkirchen beginnt mal gleich mit strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Nach dem Frühstück im Alpina-Ritzli mache ich mich an den längsten Aufstieg der ganzen Tour ran, dem Grimselpass. Ein gewisser Respekt ist durchaus vorhanden. Denn bereits dreimal fuhr ich diesen Aufstieg und dreimal hatte ich meine liebe Mühe damit. Jetzt, beim vierten Mal, bin ich zum ersten Mal mit dem Bike an diesem Berg. Mal sehen...

Der Aufstieg zieht sich nicht zuletzt wegen den vielen flachen Passagen in die Länge. Die Höhenmeter purzeln nur mässig.

Die vielen und gefährlichen Strassentunnels können aber fast alle auf der alten Strasse umfahren werden.

In Guttannen mache ich eine erste kurze Nussgipfel-Pause.


Umittelbar nach Dorfende ist der eindrückliche Murgang des Hochwasser's 2005 zu sehen.


Je länger der Aufstieg dauert, desto eindrücklicher wird die Umgebung.


In Handegg dann die zweite kurze Pause.


Und weiter geht's. Auch hier wieder ein Tunnelumfahrungs-Abschnitt, der Längste des ganzen Aufstiegs.

      Blick zurück


Ich habe mir beim Start vorgenommen, alle 300 - 400 Hm eine kleine Pause zu machen. So war dann der Rhäterichsbodensee die nächste Station. Hier ass ich dann auch gleich etwas Richtiges. Gleich unterhalb der Staumauer kann man bei einem kleinen Shop Wurst, Käse und Brot einkaufen. Da ich zu diesem Zeitpunkt ordentlich Hunger hatte, langte ich auch dementsprechend zu. Am See oben verdrückte ich dann diese leckeren Sachen.


Auf der Passhöhe sind schon gut die aufziehenden Gewitterwolken ersichtlich. Ist mir aber momentan noch egal, ich geniesse meine Mittagspause.
Danach sind es noch rund 400 Hm bis zur Passhöhe.


Oben auf der Passhöhe verheisst der Blick ins Goms nichts Gutes. Es ist schon ziemlich dunkel, und das Nachmittags um zwei Uhr. Der See mit den kleinen Eisschollen sieht aber cool aus.


Eigentlich wollte ich den Wanderweg via Nassbode fahren. Doch genau in diese Richtung siehts am düstersten aus. Das Gewitter steht unmittelbar bevor. Der Wetterbericht scheint sich zu bewahrheiten. So liess ich (leider) dieses Unterfangen und nehme die Strasse nach Gletsch. Gleich bei der Weiterfahrt beginnt es zu regnen und nur ein paar Minuten später schüttet es volle Kanne! Zum Glück schaffte ich es auf dem Pass noch, die Regenkleider anzuziehen. Nur die Schuhüberzüge habe ich vergessen, was ich relativ schnell bemerkte...

Danach folgte eine Abfahrt bei strömenden Regen bis nach Obergesteln. Dort checkte ich bereits um 15.00 Uhr im Hotel Grimsel ein. Dafür hatte ich umso mehr Zeit fürs relaxen. Und nach einer solchen nassen Asphaltabfahrt tat die Dusche doppelt gut.


Das Abendessen war erneut vorzüglich und das Zimmer super. Nur das Gespräch mit dem Hotelier machte mich ein bisschen unsicher. Morgen regne es den ganzen Tag und der Nufenen sei heute immer noch geschlossen wegen Erdrutsche. Ob ich nun das ganze Programm umstellen muss? Vielleicht sogar einen Ruhetag im Goms? Fragen über Fragen - ich schlief erst mal drüber...

GPS-Track: Innertkirchen-Obergesteln.gpx
Google Earth-Datei: Innertkirchen-Obergesteln.kml

Distanz: 42 km / Fahrzeit: 3 h 53 min / Höhenmeter: 1'550 Hm

Tag 4: Obergesteln - Airolo, 05. Juli 2012:

Als ich am Morgen aus dem Fenster guckte entdeckte ich blauen Himmel und Sonnenschein. Und laut dem App von TCS hat auch der Nufenen wieder offen. Na also, die Reise kann weitergehen. Der Wetterbericht hat zwar ab Mittag erneut Gewitter in den Bergen, aber die erste Tageshälfte ist schon mal gerettet. Danach schauen wir wieder weiter.

Nach dem Frühstück checkte ich aus und machte mich gleich mal an 1'100 Hm Aufstieg an. Der Nufenenpass von der Walliserseite liegt mir eigentlich ganz gut. Je einmal mit Renner und einmal mit Bike meisterte ich diesen Aufstieg, und es ging immer ganz gut.

      Start in Obergesteln

Nach einem kurzen Warm-Up der Rhone entlang gings ab Ulrichen stets bergauf.


Auf halber Höhe wird der Stausee des Griessees ersichtlich. Und tatsächlich sind bereits die ersten dunklen Wolken zu sehen.


Das darf doch nicht wahr sein. Muss ich schon wieder improvisieren?

      Blick zurück


Beim Pt. 2'303 hadere ich mit mir und dem Wetter. Soll ich Corno Gries versuchen? Und wenn es ein hefitges Gewitter gibt und ich mutterseelenalleine in den Bergen bin? Vielleicht hats ja noch Schnee? Erneut Fragen über Fragen...


Der Entscheid ist eigentlich schnell gefasst, es geht auf der Passtrasse weiter bis zum Nufenen hinauf. Die Griespasstrails werden ausgelassen. Ich will kein Risiko eingehen, die Wolken über dem See sind mir einfach zu dunkel.

So sind es abschliessend noch 170 Hm bis zur Passhöhe.

      Nufenenpass, 2'478 m


Es ist sehr sehr frisch auf der Passhöhe. Schnell ziehe ich Jacke und Beinlinge an und mache mich an die Abfahrt. Obwohl mir ein Trail lieber gewesen wäre, macht auch eine solch schnelle Passabfahrt Spass.


Irgendwann erkennt man gut den Corno Gries Trail und auch die Hütte. Ebenfalls gut zu erkennen waren die vielen Schneefelder auf dem Trail. Da war ich mit der Strasse doch ganz gut bedient.

Halb unten in All' Acqua halte ich dann Mittagspause. Die Gartenwirtschaft sieht sehr einladend aus und ist trotz des drohenden Regens gut besucht. Auch ich setzte mich draussen hin.

      All' Acqua, 1'614 m


Tatsächlich bleibt es trocken, die Gewitter wollen nicht so recht ins Bedrettotal ziehen. Mir solls recht sein und ich schaue mir als Fortsetzung der Tour die Strada Bassa an. So heisst der Wanderweg durch dieses Tal. Zu Beginn ist's eine Schotterstrasse.


Dann kommt ein Bauernhof, welcher komplett mit Kuhdreck übersät ist. Das tue ich meinem Bike und den Schuhen nicht an und nehme die "Umleitung" über die Wiese, oberhalb der Scheune. So etwas habe ich nun wirklich noch nie gesehen.

      Hier führt ein offiziell markierter Wanderweg durch...

Danach bliebs matschig.


Ich befürchtete schon das Schlimmste, da offenbarte sich der Trail mir und wurde richtig schön.


Vor Ronco kam die Strada Bassa auf die alte Strasse. So fuhr ich durch schmucke Tessiner Dörfer wie Ronco, Bedretto, Villa und weiter unten Ossasco.


Danach wurde es ein bisschen schwierig mit der Wegfindung. Auf einmal war keine Markierung mehr ersichtlich.



Ich erkannt dann am Waldrand oben eine Markierung. Doch ich wählte den Ausstieg die Wiese runter. Mache ich sonst nie, war da aber die vernünftigste Lösung. Bei Tre Croci kam ich dann wieder auf den Weg.

Hier war der Trail wirklich toll!


Bis ich dann Airolo erreichte. Und das Gefühl, von der Wohnungstüre gestartet und nun hier zu sein, war ziemlich cool!!


Die Unterkunft für diese Nacht war das Alloggio Girasole. Dort gibt's ein Bett im Mehrbettzimmer für Fr. 45.- inkl. Frühstück. Und weil ich bis jetzt nicht so Glück mit dem Wetter hatte, kriegte ich dafür einen Viererschlag für mich alleine. Da sag ich nicht nein. :-) Zudem gilt es zu erwähnen, dass ich nirgends auf meiner ganzen Tour ein bequemeres Bett hatte als hier. Auch das Frühstück war super und das Personal sehr freundlich. Alloggio Girasole - jederzeit wieder! 


GPS-Track: Obergesteln-Airolo.gpx
Google Earth-Datei: Obergesteln-Airolo.kml

Distanz: 36 km / Fahrzeit: 3 h / Höhenmeter: 1'200 Hm