Der Sommer gibt momentan Vollgas. Uns soll's recht sein, denn so sind solch geniale Biketage wie dieser Beschriebene hier erst möglich. Ein Tag mit Silvan in der Bikeregion Hasliberg.

Vorab muss ich erwähnen, dass ich nicht unbedingt derjenige Biker bin, welcher in den Kanton Bern auf die Trails geht. Zu viele Verbote und die letztjährige Idee, alle Waldwege im ganzen Kanton für Biker zu verbieten, gab bei mir auch keine Pluspunkte. Solche Geschichten sind mitunter ein Grund, weshalb ich noch nie im Kanton Bern in den Bikeferien war, obwohl das Potenzial für solche bestimmt vorhanden wäre...

Aber keine Regel ohne Ausnahme - Am vorletzten Sonntag machte ich mich zusammen mit Silvan auf den Weg in den Hasliberg. Wir gaben den Bernern also eine Chance :-)

Während der Hinfahrt kam Silvan mit der Idee, wir könnten doch das Auto in Giswil parkieren. Dann hätten wir eine längere Abfahrt. Logischerweise fand ich dies natürlich eine sehr gute Idee. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Fahrplan und mussten in Giswil etwas warten. So gabs im Restaurant Bahnhof einen Kaffee.

Danach stiegen wir in den Zug, welcher uns auf den Brünigpass brachte. Von dort fuhren wir gut 20 Minuten der Strasse entlang bis zur Talstation der Wasserwendibahn. Beim Schalter lösten wir eine Tageskarte. Da wir beide ein Halbtax haben, bezahlten wir für diese Fr. 20.-, ohne wäre es Fr. 30.- Diese ist gültig für die Bahnen Wasserwendi - Käserstatt und für Reuti - Bidmi - Mägisalp. Der Biketransport dabei ist gratis. Biker und Wanderer zahlen also gleich viel für die Tageskarte. Die Bahn auf den Alpentower nimmt keine Bikes mit. Damit konnten wir aber gut leben, denn während den Vorbereitungen für diesen Tag sahen die Trails auf der Karte doch ziemlich gut aus.

Während wir uns auf die Käserstatt gondeln liessen, konnten wir bereits in der Bahn den ersten Trail erblicken. Oben angekommen gings natürlich sofort los. Der Weg führte uns via Halmersmad zum Bidmi.


Wir wurden also von einem Flowtrail erster Güte begrüsst.


Schnell waren wir beim Bidmiseeli unten.


Weiter führte unsere Abfahrt nach Oberegg bis zur Reuti-Talstation.


Zu unserer grossen Überraschung trafen wir auf dem ganzen Downhill nur eine Handvoll Wanderer an. Und wenn, gabs nicht den Hauch von Problemen. Anhalten, freundlich grüssen und weiter. Funktioniert also auch im Hasliberg.

Bei der Reuti angekommen fuhren wir mit einer weiteren Gondelbahn nach oben - diesmal zur Mägisalp. Vor der Mittagspause entschieden wir uns, noch den Trail unter die Stollen zu nehmen, welcher der Skipiste entlang direkt zum Bidmi führt.


Dies war ein richtig schneller Trail. Zügiger als erwartet waren wir beim Bidmi. Und auch hier kaum Wanderer.


Nachdem wir mit der Gondel wieder zur Mägisalp fuhren, machten wir dort Mittagspause. Danach fuhren wir zum ersten Mal an diesem Tag ein längeres Stück bergauf. Die Häägenalp war unser Ziel.


Dort bogen wir rechts ab auf einen flüssig fahrenden Trail, welcher stets leicht bergauf geht. Vor vier Jahren waren Silvan und ich zusammen mit Geri schon mal dort. Damals machten wir die vom Bikeheft Ride hochgelobte Singletrailtour mit Start auf der Stöckalp. Von dort fuhren wir auf die Frutt und weiter via Balmeregghorn zum Alpentower und somit ins Hasliberggebiet. Nun bogen wir bei der Häägenalp erneut auf diese Route ein.


Das Wetter spielte damals nicht so mit wie bei dieser Tour. Zudem spürten wir an gleicher Stelle bereits einen ersten Kräfteverschleiss. Diesmal waren wir noch voll im Saft und freuten uns auf die Trails.


Der Trail führte uns zur Käserstatt und ist, wie oben erwähnt, technisch keine Herausforderung. Nur beim Leitistöck wird's für rund zwei, drei Minuten etwas stotzig.


Schnell waren wir daher bei der Käserstatt. Nach einer kurzen, steilen Rampe folgte gleich der nächste Trail.

 

Dieser war deutlich schmaler und erforderte etwas mehr Aufmerksamkeit. Auch gings stärker bergauf.


Aber auch hier waren keine groben Passagen dabei und das meiste konnten wir fahren. Nur einige kurze, aber fiese Gegenanstiege zwangen uns (zumindest mich) dann und wann zum absteigen.


Auf der Schonegg hatten wir zwei Möglichkeiten. Entweder rechts auf dem bekannten Trail direkt zum Aussichtspunkt (1'975m) oder nach links den Gipfel des Gibels auf 2'035m zu erklimmen.


Zweimal dürft ihr raten, für welche Variante wir uns entschieden...:-)


Tragend gings nun also rund 80 Höhenmeter bergauf.


Zügig kamen wir voran und waren schon bald auf dem Gipfel. Der erste 2000er in der Schweiz war somit geschafft. Wurde aber auch Zeit!

      Gibel, 2'035m

 

Die Aussicht war klasse, wir relaxten ein paar Minuten.

      Lungerersee

      Blick nach Osten

      Blick nach Süden in Richtung Grimsel


Nach dem Gipfelbreak warteten nun 1'550 Höhenmeter Abfahrt auf uns. Und geschätzte 95% davon werden auf Trail vernichtet. Da sagen wir natürlich nicht nein.

Das Intro bestand aus einem unglaublich schönen Wiesentrail. Als hätte der liebe Gott höchstpersönlich mit dem Pinsel den Weg ins Gras gemalt!

 


Nach dem Aussichtspunkt auf 1'975m wurde es leicht knackiger und somit auch spassiger.


Beim Punkt 1'812, unterhalb des Horns, bogen wir vor vier Jahren rechts ab auf die Schotterstrasse. Der definitive Wetterumschwung stand damals kurz bevor und von unseren Kräften war nicht mehr viel übrig. Diesmal wagten wir den direkten Weg unterhalb dem Horn durch. Nach einer zu Beginn kurzen Tragepassage wartete ein waschechter Grattrail auf uns.


Der Weg kam dann weg vom Grat und schlängelte sich diesem entlang.

 

Die Geschichte war zwar anspruchsvoll und ziemlich ausgesetzt, aber wir waren glücklich. Denn solche Abenteuer gehören für uns einfach dazu. Das nächste Bild sagt alles:


Das Schlussstück war geprägt von einem schnellen Trail über eine Wiese und die Alp Hüttstett war erreicht. Auch vor vier Jahren fuhren wir hier durch und wählten aufgrund der oben geannten Gründe die Strasse für runter. Es hat aber auch einen Trail. Klar, dass wir nun diesen wählten.

 


Der Weg kreuzt immer mal wieder die Strasse und führt mehr oder weniger direkt von Hüttstett nach Lungern runter.


Bei der oberen Hälfte des Trails geht's ziemlich zur Sache. Eng, teils ziemlich steil und immer mal wieder ein paar Absätze fordern volle Konzentration. Aber das Ding macht mächtig Spass!


Die untere Hälfte ist ein klein wenig steiler und sofort wird der Trail eine Spur einfacher.


Bei der Tour im Jahr 2009 wären wir aber mit dieser Abfahrt völlig überfordert gewesen.


Die Höhenmeter waren schnell vernichtet, wenn man seinen Spass hat sowieso. Nach Lungern gings flach weiter, alles dem See entlang bis Kaiserstuhl.


Das letzte Experiment stand an. Der Trail durch den Chaiserstuhlwald wollten wir noch ausprobieren. Wir hatten keine Ahnung was uns da erwartet.


Abschliessend kann man sagen, dass es kaum einen geileren Abschluss einer Tour gibt, als dieser Trail. Mehr Flow geht kaum, das war wirklich ein klasse Ende!

Ruckzuck waren wir wieder beim Bahnhof Giswil. Silvan's Idee, dort zu parkieren und mit der Bahn auf den Brünig zu fahren, erwies sich als goldrichtig.

Somit endete ein toller Biketag. Obwohl der finale Downhill in der Zentralschweiz war, gefiel es uns auch im Kanton Bern im Hasliberg sehr gut. Ob ich da mit meinen Vorurteilen etwas gar zu streng war...? In den Hasliberg kommen wir auf jeden Fall wieder.