Im September waren Silvan und ich eine Woche im Alta Rezia Gebiet unterwegs. Wir machten quasi einen Roadtrip und suchten uns ein paar Touren aus. Die Destinationen waren Scuol, Livigno und Bormio. Hier der Bericht der ersten beiden Tage.

Für die ersten beiden Tage suchten wir uns eine im "Ride" beschriebene Tour aus. Wir wollten über die Fuorcla da Rims. Das ist ein Übergang zwischen dem oberen Ende der Uinaschlucht und der Lischanahütte oberhalb Scuol. Da der Aufstieg viele Tragepassagen beinhaltet und gesamthaft etwas um die 2'000 Hm zu bewältigen sind, machten wir eine zweitägige Tour daraus. Geplant war eine Übernachtung in der Sesvennahütte.

So starteten wir am ersten Tag um die Mittagszeit in Scuol. Auf Schotterstrassen fuhren wir nach Sur En.


Dort begann der Aufstieg durchs Val Uina rauf zum Schlinigpass. Zum ersten Mal sollten wir auch die Uinaschlucht durchqueren, für viele Biker einer der Transalpklassiker. Eine Tafel in Sur En machte uns auf mögliche Gefahren aufmerksam.


Dann begann der Aufstieg.


Die Strasse ist ordentlich steil und hat ein paar knackige Rampen drin. Der schwere Tourenrucksack machte sich somit umso mehr bemerkbar. Trotzdem kamen wir sehr gut voran.

      Uina Dadaint, 1'783 m


Auf der Alp Uina Dadaint steht ein kleines Restaurant. Eigentlich hatten wir während des Aufstiegs bereits beschlossen, dort kurz einzukehren. Da wir aber schon halb drei hatten und den Weg durch die Schlucht noch vor uns hatten, fuhren wir weiter. Gleich danach wird aus der Strasse ein Trail, welcher aber bergauf ganz gut zu fahren ist.


Schon bald sahen wir den bekannten Felsenweg durch die Uinaschlucht. Diese Passage ist einer der Transalpklassiker überhaupt. Wir waren beide das erste Mal dort und dementsprechend sehr gespannt. Das da nichts mit fahren sein wird, war uns bereits im Vorfeld klar.


Der Trail bleibt bis fast zum Eingang der Schlucht fahrbar.


Dann wird man unmissverständlich über die Spielregeln informiert.


Wir gehortchen natürlich brav. Einen solchen Weg zu fahren, wäre lebensmüde. Also Bike ab auf die Schultern.


Ein paar Höhenmeter nach der Infotafel beginnt der Felsenweg durch die Uinaschlucht definitiv.


Uns blieb beinahe die Spucke weg! Einen solchen Weg haben wir noch nie gesehen. Unglaublich spektakulär in den Fels geschlagen ist er - der absolute Wahnsinn! Wer nicht schwindelfrei ist, hat in der Uinaschlucht aber definitiv nichts verloren.


Ab und zu liest man von Bikern, welche in der Uinaschlucht in den Tod gestürzt sind und wohl das Gefühl hatten, man könne oder solle hier fahren... Auch bergab käme für uns nur die Variante Schieben in Frage. Safety first, alles andere ist hier unverantwortlich!


Nach rund 200 Höhenmetern Bikewandern ist das Spektakel vorbei. Kaum aus der Schlucht, erreichten wir das leicht steigende Tal zum Schlinigpass. Mit einem Flowtrail erwartete uns zu Beginn das pure Gegenteil des Felsenweges.


Ständig bergauf ist der Trail dann aber doch kräfteraubender, als wir annahmen. Je näher wir uns der italienischen Grenze näherten, desto kniffliger wurde er. Nach einer guten Stunde Bergauftrailfahrens erreichten wir dann die Landesgrenze.


Von dort war es nur noch ein Katzensprung bis zum Schlinigpass auf 2'309 m.

      Schlinigpass, 2'309 m


Ein weiterer Katzensprung später waren wir bei unserer Unterkunft, der Sesvennahütte.

      Sesvennahütte, 2'258 m


Obwohl es "nur" eine Nachmittagstour war, waren wir doch sehr froh, die Hütte erreicht zu haben. Der Tag hat Kräfte gekostet. Für den morgigen Aufstieg zur Fuorcla da Rims waren wir aber guten Mutes und freuten uns zuerst einmal auf einen gemütlichen Hüttenabend.

Und diesen hatten wir auch. Die Wirtsleute platzierten uns an einen Tisch mit einem Paar aus dem Allgäu und einem aus Zürich. Wir hatten es lustig zusammen und lachten viel. Ernst wurde es nur, als Silvan und ich von unserem Plan erzählten, mit den Bikes über die Fuorcla da Rims zu gehen. Ob wir denn sicher seien, was wir da vorhaben? Da können wir keinen einzigen Meter fahren, viele Tragepassagen, etc. Der Kollege aus Zürich verstand die Welt nicht mehr. Als wir ihm von unserem Pilatusabenteuer erzählten, erholte er sich ein bisschen :-) Wir beide wissen, was es heisst, 800 Hm zu tragen. Er meinte, dann aber noch, dass wir vorsichtig sein sollten bei Nebel. Der Weg sei nicht immer so klar und bei schlechter Sicht könne das sehr gefährlich werden. Er kam mit seiner Partnerin zu Fuss von der Fuorcla her. Verlaufen dort oben ist bestimmt nicht so lustig. Den Tipp nahmen wir dankend an und hofften auf gutes Wetter...

Doch am Sonntag Morgen herrschte draussen dicker Nebel und Regen. Wir trauten unseren Augen kaum - hatte der Wetterbericht nicht schöneres Wetter gemeldet? Gemütlich assen wir zuerst mal Frühstück. Da wir die Tour ja in zwei Tagen machen wollten, hatten wir keinen Stress. Petrus machte aber weiterhin keine Anstalten, der Sonne den Vorzug zu geben.

Wir entschieden uns daher trotzdem zur Abfahrt. Ewig Zeit hatten wir auch nicht. Der Weg zur Fuorcla da Rims zweigt beim Eingang zur Uinaschlucht nach links ab. So war der Plan, mal diesen Punkt anzufahren und dann weiter zu sehen.


So gings auf dem gestrigen Bergauftrail erstmal bergab. Und trotz der Nässe gefiel uns das ganz gut.


Bei der Abzweigung war aber gleich klar, dass das keinen Sinn hatte. Nach circa 300 Hm wären wir voll in der Suppe gewesen. Zudem sei das erste Drittel der Abfahrt technisch ziemlich anspruchsvoll, hiess es im "Ride". Das wäre bei dieser Nässe auch kein Zuckerschlecken gewesen. Da wir am Abend in Livigno sein wollten, kam für uns als "Alternative" nur der Abstieg durch die Uinaschlucht in Frage. Also fuhren wir den exakt gleichen Weg wieder zurück.

Oder besser gesagt, wir "liefen" den gleichen Weg wieder zurück, zumindest den Teil durch den Felsenweg.


Erneut wurden wir überwältigt von diesem grandiosen Weg. Der coole Trail zur Uina Dadaint war dann leider viel zu kurz.


Rund 24 Stunden nach dem Start in Scuol waren wir bereits wieder dort. Mit dem Zug fuhren wir nach Zernez, wo wir in einem Restaurant unsere Mittagspause hielten. Schon bald fuhr der Bus nach Livigno, wo wir im Verlaufe des Nachmittags im Hotel Lac Salin eincheckten und auf unsere Freunde warteten... (Mehr dazu im nächsten Bericht).
Ein Foto von Livigno mit einem schönen Regenbogen vom Hotel aus will ich Euch aber nicht vorenthalten.

Fazit dieser zwei Tage?: Im Nachhinein können wir diese Tour als eine Rekotour abbuchen. Für den ersten Tag kostet die Uinaschlucht wohl zu viel Kräfte. Wenn wir das nochmals versuchen (und alle die uns kennen, wissen: Das werden wir!!), ist es vernünftiger, von Mals im Vingschau zur Sesvennahütte zu gelangen. Von dort führt eine Strasse bis zur Hütte rauf. So könnten wir uns dann mehr oder weniger frisch dem Übergang widmen.

Trotzdem werden uns diese beiden ersten Tage unseres Alta Rezia Roadtrips in bester Erinnerung bleiben. Der Weg durch die Uinaschlucht ist einfach genial und die Sesvennahütte können wir allen sehr empfehlen. Tolle Küche, bequeme Betten, sehr freundliche Leute (Zitat des Chefs: "Also als erstes nehmen wir jetzt mal a Schnaps") und eine äusserst angenehme Atmospähre.

GPS-Track: Uina.gpx
Google Earth-Datei: Uina.kml